Matschoss, Conrad
Geschichte der Dampfmaschine: ihre kulturelle Bedeutung, technische Entwicklung und ihre grossen Männer — Berlin, 1901

Page: 168
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/52-1605/0182
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
168

B. Die technische Entwicklung- der Dampfmaschine.

durch den Compagnon von Nasmyth über das Projekt genau
unterrichtet worden war. Der französische Ingenieur überzeugte
sich von der Brauchbarkeit der Idee und brachte sie unmittelbar
nach seiner Rückkehr zur Ausführung. Erst jetzt gelang es Nasmyth,
in England unter Hinweis auf den Erfolg, den sein Dampfhammer in
Frankreich bereits erzielt hatte, soviel Kapital zu beschaffen, dass
er daran gehen konnte, sein Dampfhammerpatent vom Jahre 1842
praktisch auszunutzen.
Ebenso wie schon 1806 lange vor Nasmyth ein Londoner
Ingenieur Deverell die Idee eines ähnlichen Dampfhammers gehabt
hatte, die aber vergessen wurde, weil das Bedürfnis danach noch
nicht vorhanden war, so war Nasmyth auch nicht der einzige Er-
finder, als die Praxis gebieteriscli den Dampfhammer verlangte.
Cave in Paris erhielt schon 1836 ein Patent auf einen unmittelbar
wirkenden Dampfhammer, und einen ganz ähnlichen Dampfhammer,
der 3000 Thaler kosten sollte, hatte 1841 die bei Zwickau gelegene
Marienhütte dem Maschinenbauer Dorning in Auftrag gegeben.
Dieser Hammer kam 1843 in Betrieb und arbeitete zu grosser Zu-
friedenheit.
Wir sehen auch hier wieder, wie ein praktisches Bedürfnis
gleichzeitig und unabhängig an den verschiedensten Stellen sich
Geltung verschafft und nach Befriedigung drängt. Die Eisenindustrie
war an die Grenze gekommen, die nur mit Hilfe eines mächtigen
Werkzeuges, des Dampfhammers, überschritten werden konnte. Und
wenn auch Nasmyth, „der Vulkan des 19. Jahrhunderts“, bescheiden
sich und seine Arbeit mit „der Thätigkeit des Mannes, der dem
Organisten den Wind macht“, vergleicht, so darf eben nicht vergessen
werden, dass ohne diesen Wind die Orgel stumm bleiben muss.
Erwähnt zu werden verdient, dass Nasmyth bereits seinen
Dampfhammer auch zum Einrammen von Pfählen brauchbar ge-
staltet hat und somit auch als Erfinder und Konstrukteur der direkt
wirkenden Dampframme sich um die Technik, insbesondere um die
Ausführung der Wasserbauten verdient gemacht hat.
KAPITEL 3.
Die Dampfmaschine im Dienste <les Verkehrs.
1. Die Schiffsmaschine.
Wind und Wetter, Ebbe und Flut zogen der Schiffahrt oft
schwer empfundene Schranken. Die fortschreitende Technik suchte
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list