Matschoss, Conrad
Geschichte der Dampfmaschine: ihre kulturelle Bedeutung, technische Entwicklung und ihre grossen Männer — Berlin, 1901

Page: 432
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C. Die grossen Männer der Dampfmaschine.

sich die Maschinenfabrik zu ungeahnter Grösse. 1885 wurden über
1000 Arbeiter in ihr beschäftigt.
Corliss war ein entschlossener, charakterstarker Mann, der
nicht nur Entschlüsse zu fassen, sondern diese auch allen Hindernissen
zum Trotz durchzuführen verstand.
An religiösen Dingen nahm er regen Anteil, er war von streng
orthodoxer Richtung — häufig spendete er reichliche Summen für
kirchliche Zwecke; im persönlichen Verkehr war er stets liebens-
würdig und zuvorkommend. In friedlichem, glücklichem Familien-
leben mit Frau, Sohn und Tochter bewohnte Corliss in der Nähe
seiner Fabrik ein schlichtes Landhaus und suchte nach der auf-
reibenden Bcrufsthätigkeit Erholung und Genuss in der Pflege seines
Gartens; ein Rasen wie der seine, erklärte er wohl mit Stolz, sei in
ganz Amerika nicht mehr zu finden.
Ein Mann wie Corliss, der in der alten und neuen Welt den
Ruf eines der grössten Ingenieure genoss, brauchte sich nicht erst
um Auszeichnungen zu bemühen; von allen Seiten flössen sie ihm zu.
1867 wurde seiner Maschine in Paris der erste Preis zuerkannt,
und 1873 erhielt er auf der Wiener Ausstellung die goldene Medaille,
obwohl weder er noch einer seiner Vertreter ausgestellt hatten.
Wohl aber war die Mehrzahl der 100 dort ausgestellten Dampf-
maschinen nach seinem System gebaut, Beweis genug, welch weit-
gehenden Einfluss Corliss auf den gesamten Dampfmaschinenbau
ausübte. 1870 überreichte ihm die Amerikanische Akademie der
Wissenschaften und Künste die Rumford-Medaille. „Seit Watt hat
keine Erfindung die Wirksamkeit der Dampfmaschine so erhöht
wie die, für welche die Rumford-Medaille jetzt überreicht wird“,
waren die Schlussworte der Ansprache, mit der dem Erfinder diese
hohe Auszeichnung übergeben wurde.
Das Vertrauen seiner Mitbürger genoss Corliss in hohem
Masse, und mehr Ehrenämter, als er annehmen konnte, wurden ihm
angeboten.
Im Februar 1888 erkrankte Corliss am gastrischen Fieber,
das in wenigen Tagen seinen Tod herbeiführte.
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