Meyer, Georg
Grundzüge des Eisenbahn-Maschinenbaues: Die Lokomotiven — Berlin, 1883

Page: 134
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Das Gestell der Lokomotive.


sind. Diese drehbaren Gestelle enthalten entweder nur Laufachsen,
oder auch Triebachsen.
In letzterem Falle müssen natürlich die Cylinder auch an diesem
drehbaren Gestelle fest angebracht werden.
Die nur mit Laufachsen versehenen Gestelle nennt man Lauf-
g es teile, diejenigen, in welchen auch Triebachsen oder nur solche
gelagert sind, Motorgestelle.
Hiernach sind zu unterscheiden :
a) feste Gestelle,
b) drehbare Gestelle,
und als einzelne Theile der Gestelle: Rahmen mit Querträgern, Achsen
mit Rädern, Achsbüchsen und Tragefedern.
§ 53. Rahmen der festen Gestelle. Je nach der Anordnung der
Rahmen bei festen Gestellen in Bezug auf die Radebenen unterscheidet
man innere und äufsere Rahmen.
Bei den ersteren sind die Rahmen zwischen den Radebenen und
bei den letzteren aufserhalb der Radebenen angebracht.
Welche von beiden Anordnungen die vorteilhaftere ist, steht noch
nicht fest.
Lokomotiven mit äufseren Rahmen gestatten eine tiefere Lage des
Kessels, mithin des Schwerpunktes der Lokomotive, und eine vorteil-
haftere Anbringung der Tragefedern, während Lokomotiven mit inneren
Rahmen eine solidere Verbindung mit dem Kessel und geringere Breiten-
Ausladung ergeben.
Als Vorteil beim Gange der Lokomotive wird ferner noch für
Maschinen mit aufsenliegenden Rahmen hervorgehoben ein ruhiger Gang,
weshalb dieselben von einzelnen Bahnen auch vorzugsweise für Personenzug-
Lokomotiven angewendet werden.
Dahingegen wird für Aufsenrahmen als Nachtheil zunächst ein
vermehrtes Heifslaufen der Achslager angeführt. Diese stärkere Nei-
gung zum Heifslaufen erklärt sich dadurch, dafs die Wärme, welche
die unvermeidliche und wegen des gröfseren Zapfendurchmessers gröfsere
Reibungsarbeit erzeugt, nur nach einer Seite, dem Rade hin, gut fort-
geleitet wird, weil die Kurbel wenig Wärme aufzunehmen im Stande ist,
während bei Maschinen mit Innenrahmen nach beiden Seiten eine gute
Fortleitung der Wärme stattfinden kann.
Ferner ist bei Aufsenrahmen, namentlich für Maschinen mit drei
gekuppelten Achsen auf Bahnen mit vielen Kurven ein häufiges Brechen
der Kurbeln bemerkt worden , wodurch, weil derartige Reparaturen sehr
kostspielig sind, gröfsere Unterhaltungskosten entstehen.
Ebenso ist der Eigenwiderstand der Lokomotiven mit Aufsenrahmen
ein grüfserer, weil die Kurbelhülse, welche gewöhnlich als Lagerfläche
für die Achse dient, einen gröfseren Durchmesser hat, als der Achs-
schenkel bei innenliegenden Rahmen.
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