Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Dritter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 70
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Freiexemplare nicht abgeben könnten. Deren Zahl war bei den privilegierten
Büchern inzwischen von zwei auf vier erhöht worden; von den unprivilegierten war
eines abzugeben. Außerdem waren an die Ratsbibliothek nach einer Verordnung
von 1621 zwei Exemplare aller hier gedruckten und verlegten Werke und ferner
den Herren Scholarchen, das sind die Ratsdeputierten für das Kirchen- und Schul-
wesen, welchen das Predigerministerium über die von ihm zensierten theologischen
Werke Bericht zu erstatten hatte, Freiexemplare abzuliefern, was aber regelmäßig
nicht geschah. Der Kommissar Dr. v. Hörnick behauptete 1649, daß in den letzten
zehn Jahren kein privilegiertes und unprivilegiertes Werk an die kaiserliche Bibliothek
übersandt worden sei, und erneuerte seit dem Jahre 1650, in welchem er von den
privilegierten Büchern fünf Pflichtexemplare, von den unprivilegierten eines ver-
langte, fast alljährlich diesen Anspruch. Bald darauf erhob auch der Erzbischof
von Mainz den Anspruch auf ein sechstes und 1678 der Bücherkommissar einen
solchen auf ein siebtes Exemplar. An dieser Zahl wurde dann dauernd festgehalten.
In wiederholten Vorstellungen wies der Rat den Kaiser darauf hin, daß die Aus-
länder lieber die hiesigen Messen aufgeben und sich anderswohin wenden würden,
wo sie derartigen Beschwerden und Lasten nicht unterworfen wären. Auf Inter-
zession ihres Wiener Gesandten setzten die Holländer 1710 durch, daß sie wenigstens
von der Abgabe der Pflichtexemplare von ihren unprivilegierten Büchern befreit
wurden. Alle anderen mußten von diesen nach Artikel 7 der kaiserlichen Ver-
ordnung vom 10. Februar 1746 drei, von den privilegierten die bereits erwähnten
sieben Exemplare abliefern. Um sich dieser Verpflichtung zu entziehen, hatten
die Buchhändler schon seit mehr als einem halben Jahrhundert vielfach eine An-
zeige und Aufnahme ihrer neuen Bücher im Meßkatalog unterlassen.
III.
Verlagstätigkeit von 1590—1631.
§ 15. Allgemeines.
Nach Kapps Tabellen hatte sich die deutsche Büchererzeugung vor 1580 im
Jahre selten auf mehr wie 500 Druckschriften belaufen, 1585 steigerte sie sich auf
722, 1590 auf 875, 1595 auf 930, 1600 auf 1059, 1605 auf 1504 und 1613 auf
1780 Druckschriften als höchste Ziffer. In den fünf Jahren von 1616—1620 belief
sich ihre Zahl durchschnittlich auf 1604 und ging während der ersten Hälfte des
Dreißigjährigen Krieges nur langsam zurück, so daß im Jahre 1630 noch 1346 und
1631 noch 1106 Bücher erschienen. Im folgenden Jahre waren es nur noch 729, im
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