Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Dritter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 195
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bis zu einem Achtel ihres bisherigen Nennwertes. Während und noch lange nach
der Kipper- und Wipperzeit bestanden große Meinungsverschiedenheiten über die
Berechnung und Bezahlungsart von Forderungen.
Zum Schluß möchte ich die Tatsache nicht unerwähnt lassen, daß, so schädlich
auch die Münzverwirrungen gewesen sein mögen, die wohluntenichteten christlichen
und jüdischen Frankfurter Kaufleute aus ihnen jahrhundertelang reichen Gewinn
gezogen haben.
II.
Geld- und Kreditgeschäfte vor 1585.
§ 3. Meßzahlungsverkehr.
Der Bedeutung der Frankfurter Messen als der größten deutschen Warenmärkte
entsprach der mit ihnen verbundene Geldverkehr*). Nirgends in Deutschland ist
er größer gewesen wie hier. Wie früher die Geldverpflichtungen Europas auf eine
der sechs großen Champagnermessen abgestellt waren, so jetzt die Zahlungsver-
pflichtungen Deutschlands auf eine der Frankfurter Messen!
Hierbei verdient der Umstand besondere Beachtung, daß die Meßkaufgeschäfte
von Anfang an nicht, wie meistens angenommen worden ist, Barverkäufe, sondern
vorwiegend Kreditverkäufe gewesen sind. Bei Kreditwürdigkeit des Käufers wurde
der Kaufpreis bis zur nächsten Messe gestundet, damit die Ware in der Zwischen-
zeit weiterverkauft und der kreditierte Kaufpreis beschafft werden könne. Dies
galt grundsätzlich bei allen Handelszweigen, beim Tuchhandel, Metallhandel wie
Buchhandel. Alles kam auf das Vertrauen an. War es vorhanden, so konnten
die Kaufleute mit geringem eigenen Kapital die größten Geschäfte machen und
s>ch rasch emporarbeiten: eine Erscheinung, für welche uns heutigen Sicherheits-
Menschen das Verständnis fast abhanden gekommen ist. Diese, sagen wii weit-
herzige Zahlungsweise machte aber den regelmäßigen Besuch dei luankfuitei
Messe für beide Teile zur Notwendigkeit und bildete einen der wesentlichsten inneren
Gründe für die während so vieler Jahrhunderte erfolgte hesselung des deutschen,
innereuropäischen Handels an unsere Stadt. Daß viele Kaufleute diese Not-
*) R. Ehrenberg, Zeitalter der Fugger, 2 lkie , 189(i; Dr. A. Dietz, Frankfuitei Handels
geschichte, Bd. I S. 277—279 betr. die Blumengesellschaft, S. 294—305 betr. die Mansfelder kupfer-
sPeku1ation der Stadt, Bd. II S. 5—9 betr. die Geldgeschäfte des Juden Josef zum goldenen
Schwan; Dr. Orth, Reichsmessen, S. 446; Kapp, Geschichte des Buchhandels, S. 308, 349, 467;
Thimme, Kölns Handel, S. 422, 423, 429 und 441.


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