Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Dritter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 213
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Jahres 1591 sollte der Herzog ein Darlehen von 60000 Rtlrn. an Cassina zurück-
zahlen. Bei dem verlockenden Zinsfuß kamen als Geldgeber weniger die vorsich-
tigen Frankfurter Kapitalisten, als die begüterten Landadeligen, Grafen, geistlichen
Herren und Stifter in Betracht, deren Kapitalbesitz mobil gemacht wurde.
Auch die Finanzierung der Religionskriege in Frankreich und den Niederlanden
erfolgte vielfach in Frankfurt. Fortgesetzt fanden in hiesiger Gegend für franzö-
sische Rechnung große Truppenanwerbungen statt, welche viel Geld eifordeiten,
die für den Pfalzgrafen von Zweibrücken bestimmten englischen Subsidiengelder
nahmen ihren Weg hierher; in der Ostermesse 1577 sollte Michael Burlenach von
Lucca als Vertreter des Herzogs von Lothringen hier 30000 Kronen an den
hiesigen Seidenhändler Georg Mengershausen als Bevollmächtigten des Herzogs
Erich von Braunschweig-Lüneburg zahlen und im Herbst desselben Jahres 40000 Frs.
vom Prinzen Conde eintreiben, und eine Reihe hoher Darlehens- und Sold-
forderungen wurde hier gegen die niederländischen Generalstaaten geltend gemacht.
Bei dem Patrizier Johann Hektar zum Jungen war eine Obligation von 1577 dei
Stände von Brabant hinterlegt, wonach sie vier Hauptleuten an rückständiger
Kriegsbesoldung 233 667 fl. zu zahlen hatten, eine Verpflichtung, welche, nach
40 Jahren noch unerfüllt war, und 1589 hielt sich hier der französische Gesandte
de Reaulx wegen der Auszahlung von Werbe- und Subsidiengeldern auf, die für
Rechnung des Herzogs von Nevers per Wechsel von Venedig hierher überwiesen
Waren.
Welch hohe Barbeträge hier in den Messen zur Verfügung standen, ergibt die
1584 erfolgte, aufsehenerregende Anweisung der Fugger von 250000 Dukaten
durch Wechseltratten aus Venedig, Augsburg und Nürnberg. Das Geld wuide
v°n hier in bar nach Brüssel gesandt. In demselben Jahre hatten die Fuggei hiei
H000 Gulden bar einzukassieren (Ehrenberg II, S. 246).
§ 9. Die Entstehung der Frankfurter Börse im Jahre 1585
Die Börse ist als ein Erzeugnis höherer wirtschaftlicher Kultur dem Bedüifnis
Uach Vereinfachung und Konzentration des Verkehrs entsprungen; sie bezeichnet
Begrifflich jede in bestimmten, regelmäßigen Zeitabständen wiederkehrende Ver-
sammlung von Kaufleuten zum Zweck des Abschlusses von Handelsgeschäften ohne
Vorzeigung, Übergabe und Bezahlung des Handelsgegenstandes. Je nach der Art
desselben unterscheidet man zwischen Geldbörsen und Warenbörsen. Hiei handelt
es sich nur um erstere Art. Das Wort Börse, welches sowohl einen aus Ledei
verfertigten Geldbeutel als auch die gemeinschaftlichen Kost- und Logierhäuser der
Studenten auf den Universitäten (bursae scholarum) und der fremden Kaufleute
auf den Messen (bursae mercatorum) oder in Plandelsstädten, wie Venedig, bedeutet,
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