Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (Dritter Band) — Frankfurt am Main, 1921

Page: 272
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/57-1505-03/0292
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
/


zu haben. Er geriet in Zahlungsschwierigkeiten und Prozesse, welche er jedoch als
Haupterbe seiner kinderlosen Brüder Georg und Dietrich allmählich beseitigen
konnte. Der Nachlaß des ersteren als des reicheren wurde auf 90000 fl. geschätzt.
Dietrich, welcher 1644 starb, hinterließ über 50 000 fl., darunter eine Barschaft
von 6881 Rtlrn., Ausstände und Obligationen im Betrage von 21300 Rtlrn., die
Obermühle zu Weißkirchen nebst Äckern und Wiesen und 22 Fuder 5 Ohm Wein
im Werte von 1920 Rtlrn.
Keiner der vier Brüder hinterließ einen Sohn und Johann nur zwei Töchter.

§ 18. Die Ordnung in Wechsel- und Kaufmannsgeschäften
vom 18. September 1666.
Um die während der langen Kriegszeit eingerissenen Mißbräuche und Unordnung
möglichst zu beseitigen und dem in den letzten Zügen liegenden Waren- und
Wechselhandel der Stadt wiederum aufzuhelfen, richteten vor der Fastenmesse 1652
sechszehn der bedeutendsten Firmen und Börsenbesucher eine Eingabe an den
Rat, worin sie baten, nach dem Vorbild anderer Handelsstädte eine Ordnung 'n
den Wechsel- und Kaufmannsgeschäften zu erlassen und in ihr 13 wichtige
kragen zu regeln. Mehr als 14 Jahre vergingen jedoch, bis der Rat sich zum
Erlaß einer solchen Ordnung entschloß. Es soll dies jedoch kein Vorwurf sein-
Der von ihm befolgte Grundsatz, den Commerden ihren freien Lauf zu lassen und
nur dann mit gesetzgeberischen Maßnahmen einzugreifen, wenn sie von der Handels-
welt dringend verlangt wurden, hat seine guten Früchte getragen. Die neue Ord-
nung enthält 20 Bestimmungen, welche im wesentlichen den Anträgen der Kaufmann-
schaft entsprechen und namentlich das Wechselwesen als „den Kern aller Negotien“
regeln. Die wichtigsten Neuerungen waren die Schriftlichkeit der Wechselakzepte,
die Aufhebung des Verbotes girierter Wechsel und die Einführung eines Prokuren-
und Gesellschaftsregisters. Dagegen wurde der schon früher gestellte Antrag, die
Frist zur Ausfertigung der Wechselproteste bis zum Dienstag vormittag der dritten
Meßwoche, wann das Nürnberger Geleit abreist, zu erstrecken, abgelehnt und an
dem Samstag nachmittag, wie bisher gebräuchlich gewesen, festgehalten. Die Er-
klärung über die Annahme gezogener Wechsel konnte vom Montag der ersten
Woche bis zum Dienstag vormittag 9 Uhr der zweiten oder Zahlwoche abgegeben
werden. War sie bis dahin nicht erfolgt, so hatte der Notar hierüber eine Urkunde,
den sog. Protest, aufzunehmen und in ein besonderes Protokollbuch einzutragen-
Sowohl bei den Wechseln wie bei allen börsenmäßigen Verrechnungen, den Reskontri,
sollte, wie in Italien, Frankreich und Holland, die „Ausflucht nicht bar dargezählten
Geldes“, welche sich eingeschlichen hatte, ausgeschlossen sein.


272
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list