Dietz, Alexander ; Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (4.1) — Frankfurt am Main, 1925

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Während Nürnberg, Augsburg, Straßburg und Köln als die größten Handelsstädte
im Süden und Westen des Reiches unersetzliche Verluste erlitten, wußte sich Frankfurt
als wichtiger, ja unentbehrlicher Handels- und Geldplatz der Kampfparteien zu
behaupten und gewann sogar als starke Festung, als Hauptstütze des Kaisers im
Westen des Reiches und als beliebter Versammlungsort der Abgesandten von Freund
und Feind eine politische Bedeutung, welche es selbst in ihrer ersten Blütezeit
im 14. Jahrhundert kaum besessen haben dürfte. Soweit während des furchtbaren
Krieges überhaupt von Respektierung eines Platzes die Rede sein kann, trifft dies
auf Frankfurt zu. Abgesehen von einer dreitägigen, wenig Schaden verursachenden
Beschießung im August 1635 hatte die Stadt vor anderen das große Glück, von
schweren Belagerungen, Bränden und Plünderungen verschont zu bleiben. Hierbei
verdient die Politik des Rates nicht als erbärmliche Schaukelpolitik bespöttelt, sondern
als eine kluge und folgerichtige anerkannt zu werden. Die politische Haltung einer
auf sich selbst angewiesenen Reichsstadt wie Frankfurt war bei den verschieden-
artigen Gegensätzen, religiösen wie politischen und nationalen, welche sich bald
in blutigem Ringen bekämpften, bald wieder mit einander aussöhnten, um nach
einer anderen Seite gemeinschaftlich Front zu machen, die denkbar schwierigste.
Während sich die von dem Herzog Maximilian von Bayern geführte katholische
Liga in ihrem Kampfe gegen die protestantischen Reichsstände mit den gegen-
reformatorischen Bestrebungen des Kaisers verband und verstärkte, besaß der
gefährdete evangelische Glaube nicht die gleiche Kraft und die zu seinem Schutze
abgeschlossene Union aller Protestanten zerfiel nach dem ersten Mißerfolg in zwei
Gruppen. Nur der glaubenseifrige und erfolgreiche Schwedenkönig vermochte vor-
übergehend die wiederstrebenden Elemente erneut unter seiner Fahne zu vereinigen.
Bei der einen schwächeren Gruppe, zu welcher Hessen-Kassel, Braunschweig,
Sachsen-Weimar, Brandenburg-Ansbach, Württemberg und Baden-Durlach gehörten,
stand der Schutz des Glaubens unverändert im Vordergrund, mochte dieser Schutz
auch auf Kosten des deutschen Reiches vom Ausland kommen, bei der anderen
waren teils deutschnationale Gründe wie der alte Gedanke der verfassungsrechtlichen
Unterordnungspflicht unter den Willen des Reichsoberhauptes und seines Schutzes
gegen ausländische Einmischungen teils reichsständisch-selbstherrliche maßgebend,
wie die begründete Furcht, gleich dem geächteten Kurfürsten von der Pfalz, dem
Herzog von Mecklenburg und dem Landgrafen von Hessen-Kassel der starken Macht-
entfaltung des Kaisers zum Opfer zu fallen oder wenigstens Einbuße an ihrer
Selbständigkeit zu erleiden. Zu dieser Gruppe gehörten die Kurfürsten von Sachsen
und von Brandenburg, der Landgraf von Hessen-Darmstadt, Frankfurt a. Main und
viele andere Reichsstädte. Bei diesen unvereinbaren Gegensätzen mußte es dazu
kommen, daß sich beide protestantische Gruppen auch untereinander zerfleischten.
Man denke nur an den hessischen Bruderkrieg!
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