Dietz, Alexander ; Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (4.1) — Frankfurt am Main, 1925

Page: 300
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damals sagte, der Tuclimanufaktur und bald auch der Metallwarenindustrie. Die
Erzeugnisse der ersteren pflegte man hier und anderwärts als englische lange
Waren, diejenigen der letzteren, wie Scheeren, Messer, Spiegel, Knöpfe, als eng-
lische Kurz- oder Quincailleriewaren zu bezeichnen. Im 19. Jahrhundert und heut-
zutage versteht man dagegen unter kurzen Waren nicht mehr kleine Metallwaren,
sondern kleine Web waren wie Bänder, Spitzen, Litzen, Garne. Dies ist wohl zu
beachten.
Neben den Einfuhrhäfen Hamburg und Bremen und neben der alten Meßrivalin
Leipzig, ist Frankfurt seit Ende des 17. Jahrhunderts der wichtigste deutsche
Stapelplatz für englische Manufakturwaren, wollene und später auch baumwollene,
gewesen. An keinem Handelszweig haben sich so viele Frankfurter Großkaufleute
beteiligt und ist soviel Geld verdient worden, wie an diesem. Weder die italienischen
A
noch die französischen Seiden- und Modewaren haben jemals in dem hiesigen
Handelsleben eine solche maßgebende und andauernde Rolle gespielt wie die eng-
lischen langen Waren. Abgesehen davon, daß sie in allen Tuchgeschäften zu
linden waren, hat es in ihnen im Laufe des 18. Jahrhunderts nicht weniger wie
25 christliche und etwa 5 jüdische Großhandlungen gegeben. Gerade die be-
kanntesten Namen der hiesigen Kaufmannschaft aus der Zeit bis 1850 wie Behaghel,
Bernus, Breviller, du Fay, Fingerlin, Fuchs, Gontard, Heeser, Keßler, Kling,
Kissel, Manskopf, Mylius, Passavant, Souchay, Thurneysen, Ziegler und von Juden
Bonn, Ellissen, Fiersheim, Goldschmidt, Reiß, Schuster, Strauß und Wetzlar ver-
danken ihre Reichtümer diesem Handelsartikel.
Die erste große englische Manufakturwarenhandlung um das Jahr 1700 ist
diejenige der Handelsgesellschafter Isaak Behaghel & Jakob von de Walle
gewesen, welche sich fast ebensoviel in Amsterdam wie in Frankfurt aufgehalten
und zuletzt über ein, in vierzigjähriger erfolgreicher Tätigkeit erworbenes Kapital
von wenigstens einer halben Million Gulden verfügt haben.
Isaak Behaghel gehörte einer, damals weitverzweigten, aus der Gegend von
Ypern in Westflandern stammenden Familie an, welche 1562 zu den Gründern
von Frankenthal gehört und während des Dreißigjährigen Krieges auch in Hanau
und mit den drei Brüdern Abraham, Isaak und Karl, sämtlich Tuchhändlern, in
Frankfurt sich niedergelassen hat. Ein vierter Bruder, der Spezereihändler Daniel
Behaghel und sein Schwager Jakob von de Walle machten im Februar 1661 den
vergeblichen Versuch, vom Frankfurter Rat die Genehmigung zur Errichtung einer
Fayencefabrik (Porzellanbäckerei) zu erhalten, worauf sie sich an den Grafen von
Hanau wendeten, welcher ihnen das gewünschte Privileg erteilte. Später treffen
wir Beide wieder in Frankfurt, woselbst sie zu dem pietistischeft Freundeskreis
des Seniors Spener gehörten und sich auch an der Landkompagnie zur Besiedelung
des Quäkerlandes Pennsylvania beteiligten. Noch heute besteht hier ein Be-



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