Hagen, Wilhelm
10 Jahre Nachkriegskinder von Wilhelm Hagen ; Hans Thomae ; Anna Ronge — München, 1962

Page: 7
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/64-2783/0009
0.5
1 cm
facsimile
Einführung

Im Frühjahr des Jahres 1951 wurde auf feiner Sitzung des Ausschusses, der
über die Vergebung von Mitteln des Marshallplanes für Forschungszwecke zu
bestimmen hatte, von den Grundsätzen gesprochen, welche für die Vergebung
solcher Mittel gelten sollten. Man stand auf dem Standpunkt, daß es sich zu-
nächst nicht um eine Grundlagenforschung handeln könne, sondern nur um
Untersuchungen, welche geeignet wären, wieder den Aufbau der daniederliegen-
den deutschen Wirtschaft zu unterstützen. Auch Untersuchungen auf dem Ge-
biete des Gesundheitswesens sollten diesem Gesichtspunkte untergeordnet wer-
den. Der Schreiber dieser Zeilen nahm in dienstlichem Auftrag an dieser Sitzung
teil und warf damals die Frage in die Debatte, ob nicht die Durchführung von
Untersuchungen über den Gesundheitszustand der Kinder nach dem Kriege und
über die weitere gesundheitliche Entwicklung dieser Kinder in den Rahmen die-
ses Planes fallen wird. Er fand mit dieser Fragestellung Interesse und entwickelte
einen, erstmalig im Jahre 1932 begonnenen Plan, eine größere Anzahl von Kin-
dern mit gründlichen ärztlichen, psychologischen und soziologischen Untersu-
chungen Uber eine längere D mer von Jahren hinweg zu verfolgen. Der dama-
lige erste Versuch in Frankfurt kam im Dritten Reich zum Erliegen. Die Erfah-
rungen, die dabei gesammelt wurden, boten aber immerhin Gelegenheit, jetzt
schon etwas deutlicher auseinanderzusetzen, was gedacht war. Es konnte da-
rauf hingewiesen werden, daß solche langdauernden Studien von Lebensläufen
von Kindern in Amerika seit vielen Jahren schon durchgeführt wurden und
zu sehr beträchtlichen Ergebnissen, vor allem auf dem Gebiet der Psychologie,
geführt hatten. Im Gegensatz zu den vorwiegend individuell eingestellten ame-
rikanischen Untersuchungen sollte aber versucht werden, nun auch die Ent-
wicklung eines repräsentativen Kollektivs von Kindern genauer zu beobachten. |
Der Gedanke fand bei den Mitgliedern des Ausschusses Anklang, und sie stell-
ten die erforderlichen Mittel aus dem Marshallplan zur Verfügung.
Professor Carl COERPER, welcher damals die Arbeitsgemeinschaft für Gesund-
heitswesen in Frankfurt leitete, erklärte sich bereit, die Treuhänderschaft für das
Unternehmen zu übernehmen. Als Leiter der psychologischen Untersuchungen
trat der damalige Dozent für Kinderpsychologie an der Universität Bonn, Dr.
Hans THOMAE, hinzu. COERPER, HAGEN und THOMAE begründeten die Ar-
beitsgemeinschaft für Kinderuntersuchungen als lose Vereinigung, die später
den treffenderen Namen Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Jugendkun-

7
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list