Hagen, Wilhelm
10 Jahre Nachkriegskinder von Wilhelm Hagen ; Hans Thomae ; Anna Ronge — München, 1962

Page: 118
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Die wirtschaftliche und soziale Situation

Für einen Einblick in die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Fa-
milien der von uns untersuchten Kinder stehen die Antworten auf die drei
Fragengruppen nach dem Einkommen ‘), nach dem Beruf und der Stellung im
Beruf der Eltern und nach der sozialen Lage im allgemeinen zur Verfügung.
In allen Untersuchungen mit sozialer Zielsetzung werden die Angaben, die
die Befragten über die Höhe des monatlichen Einkommens machen, mit
Mißtrauen betrachtet. Aus Furcht vor dem Finanzamt oder sozialen Institu-
tionen, aber auch aus einer Art Schamgefühl über die Unzulänglichkeit Äes
Betrages, aus dem auf ein „Versagen“ im Lebenskampf geschlossen werden
könnte, wird entweder die Angabe verweigert oder ungenau gemacht, oder es
werden völlig unzutreffende Beträge genannt. In sicher nicht seltenen Fällen
weiß die Ehefrau auch tatsächlich nicht genau Uber die Einkommensverhält-
nisse des Ehemanns Bescheid. Besonders unzuverlässig sind die Angaben der
„wirtschaftlich Selbständigen“ aus verständlichen Gründen, während Arbeiter,
Angestellte und Beamte in der Regel, wenn auch nicht immer exakte, so doch
den tatsächlichen Verhältnissen nahekommende Antworten geben. Um- die Be-
antwortung zu erleichtern, wurde bis 1955 das Nettoeinkommen auf 100, — DM
abgerundet registriert; allerdings ist — vor allem bei den kleineren Einkom-
men — ein hierbei sich ergebender Spielraum zwischen z. B. 100 und 199,— DM
nicht immer geeignet, ein wirklichkeitsgetreues Bild von den wirtschaftlichen
Verhältnissen zu vermitteln. Auf Grund praktischer Erwägungen wurden für
unsere Längsschnittbetrachtung die Haushalte in 4 Gruppen von monatlichem
Netto-Einkommen bis 300 DM, von 301—500 DM, von 501—800 DM und
von 801 DM und darüber zusammengefaßt.1 2) Danach läßt sich im Durch-
schnitt aller USt zwischen 1952 und 1955 eine deutliche Zunahme der Anteile
der höheren Einkommensgruppen feststellen:

1) Das Einkommen von allen Familienmitgliedern, die einen Haushalt bilden, war zusammen-
zurechnen; Miete wurde nicht abgezogen; Deputate und Mieteinnahmen wurden als zum Netto-
betrag, der einzutragen war, gehörend angesehen.
2) Es wurde von den vom Statist. Bundesamt durchgeführten Wirtschaftsrechnungen in Haus-
haltungen von Arbeitnehmern und von Rentnern und Fürsorgeempfängern ausgegangen. Für
1955 waren für einen Arbeitnehmerhaushalt monatlich DM484,68, für einen Rentnerhaushalt
DM214,76 an ausgabefähigem Einkommen errechnet worden.

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