Hagen, Wilhelm
10 Jahre Nachkriegskinder von Wilhelm Hagen ; Hans Thomae ; Anna Ronge — München, 1962

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charakteristisch sind, vielmehr häufig auch von der unter ganz anderen Ge-
sichtspunkten bestimmten Auswahl der Schulen unserer Kinder abhängig sind,
worauf u. a. DR. GRASER in seinem eingehenden Bericht über Frankfurt in den
„Nachkriegskindern“ hingewiesen hat. So wurden aus Erwägungen, die ledig-
lich das Interesse der Erhebung zum Ziel hatten, gerade in Frankfurt stadt-
innere Bezirke bevorzugt, und so finden wir auch hier 81,4% der Familien
unter 3 (Stadtmitte, Großstadt) rubriziert. In Nürnberg(USt 2) verteilen sich
die Familien etwa zur Hälfte auf Stadtrand und Stadtkern. Für Stuttgart ist der
hohe Prozentsatz (66,3%) an Vorstadtbewohnern charakterisitsch, nur 31%
sind im Stadtkern beheimatet, eine Verteilung, die durch den sehr aufschluß-
reichen Bericht von DR. MANSFELD (s. Einführung) leicht verständlich wird.
In Bonn sind die Verhältnisse fast umgekehrt, nur 36,4% unserer Familien
wohnen in Randgebieten, dagegen 53,1% im Stadtkern. In dem hoch industria-
lisierten Remscheider Bezirk (267,8 in der Industrie Beschäftigte auf 1000
Einw.) leben dagegen über 66% Familien in den Randgebieten (historische
Form der Streusiedlung), und nur rd. 17% im Stadtkern. Dieser Bezirk hat
verständlicherweise auch einen etwas höheren Prozentsatz (14,1 %) an „Dorf-
bewohnern“ aufzuweisen, die sonst für Grevenbroich charakteristisch sind
(47%). Andererseits leben rd. 25% der Grevenbroicher Familien in Stadtrand-
gebieten oder Kleinstädten. Die USt 6 ist auch die einzige, für die die Kategorie
„Industriebezirk“ angewandt wurde: fast 26% unserer Familien wurden hier
rubriziert. Insgesamt ist die Tatsache einigermaßen erfreulich, daß, obwohl 4
Großstädte unter den 6 Untersuchungszentren sind, nur 36,8% der Prohanden-
Familien im Stadtkern wohnen, dagegen 56,6% in ländlicher Umgebung oder
in Randgebieten, d. h. über die Hälfte der Kinder wachsen in einer „gesunden“
Umgebung auf. Dieser Prozentsatz dürfte sich bei genauerer Kenntnis der Lage
vermutlich noch erhöhen durch einen Zugang aus der Rubrik „Industriebezirk“
im Landkreis Grevenbroich. Dagegen berührt die Tatsache schmerzlich, daß
1955 noch 30 Familien in Baracken und Bunkern untergebracht waren. (Da-
von 8 in USt 2, 4 in USt 3, 6 in USt 4, 12 in USt 5).
In diesem Zusammenhang erschien es nicht uninteressant, die Wohnlagetypen
in den einzelnen USt mit der Herkunft der Familien (vgl. allgemeinen Überblick
in der „Einführung“) in Beziehung zu setzen, um gegebenenfalls gewisse be-
sondere Anziehungspunkte für neu Zuziehende zu ermitteln, wobei allerdings
eine echte Wahl häufig durch die Wohnverhältnisse im allgemeinen ausgeschlos-
sen worden sein dürfte. Über Einzelheiten unterrichtet Tabelle 48.
Bevor auf die Wohnverhältnisse unserer Probanden-Familien im einzelnen
eingegangen wird, soll ein kurzer Überblick über die Wohnungssituation in
den Heimatkreisen der USt gegeben werden (Tab. 49 und 50). Daß die hier-
für zur Verfügung stehenden Zahlen die Zeitspanne von 1950 — 56 oder von

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