Hagen, Wilhelm
10 Jahre Nachkriegskinder von Wilhelm Hagen ; Hans Thomae ; Anna Ronge — München, 1962

Page: 147
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Die Familien mit erwerbstätigen Müttern

Es lag nahe, das fiir Deutschland — soweit bekannt — einmalige Längs-
schnitt-Untersuchungsmaterial auch zu einem Beitrag zum Thema der erwerbs-
tätigen Mütter, das in allen sozialpolitischen und-wissenschaftlichen Diskussio-
nen in irgend einem Zusammenhang auftaucht und nicht immer mit der not-
wendigen Sachlichkeit behandelt wird, auszuwerten. Zu diesem Zweck wurden
die Familien, in denen die Mutter irgendwann zwischen 1952 und 1955 als
erwerbstätig registriert war, auf verschiedene Umweltfaktoren hin untersucht
und mit dem Gesamt der untersuchten Familien oder mit der Gruppe der „Haus-
frauen-Familien“ verglichen. Die erwerbstätigen Mütter wurden in vier Gruppen
unterteilt, wobei von der Hypothese ausgegangen wurde, daß jede dieser Grup-
pen eine besondere Struktur der Haushaltsführung repräsentiert: In Gruppe
a — Vater und Mutter die ganze Zeit über erwerbstätig — wurden überwiegend
Familien angenommen, die mehr oder weniger bewußt und planvoll eine Ver-
besserung ihres sozio-ökonomischen Status anstrebten und demzufolge ihre
Lebensgestaltung, wenigstens für einige Zeit, auf der Erwerbstätigkeit beider
Eheleute aufgebaut hatten; in Gruppe b — die Mutter die ganze Zeit Uber er-
werbstätig — wurden zu einem beträchtlichen Teil alleinstehende Mütter, ent-
weder mit unehelichen Kindern oder Witwen, geschiedene oder vom Manne ge-
trennt lebende Frauen, die für den eigenen und den Lebensunterhalt der Kinder
zu sorgen gezwungen waren, vermutet; die Mütter der Gruppe c waren nur
1955, die der Gruppe d in diesem oder jenem Jahr erwerbstätig; was Gruppe c
betrifft, wurde dem Sog der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle
bei der Aufnahme der Erwerbstätigkeit zugeteilt, während für Gruppe d neben
günstigen Verdienstmöglichkeiten häufig eine akute Notlage ausschlaggebend
gewesen sein dürfte. Die Brauchbarkeit dieser Hypothese zur Unterscheidung
spezifischer Familienstrukturen war mit Hilfe einiger Umwelt-Faktoren, wie
Kinder- und Personenzahl im Haushalt, Einkommen, Beruf, Wohnverhältnisse,
familiäre Bindung des Kindes, zu prüfen. Insgesamt handelte es sich um 903
Familien (rd. 36% des Gesamtmaterials).
An dieser Zahl waren die einzelnen Gruppen mit unterschiedlichen Anteilen
beteiligt (Tabelle 57).
Am stärksten waren die Gruppen vertreten, in denen die Nachfrage nach Ar-
beitskräften allein oder in Verbindung mit einer zeitlich begrenzten Notlage als
Hauptantriebskräfte für die Erwerbstätigkeit angenommen wurden; die klein-

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