Spranger, Eduard
Das Gesetz der ungewollten Nebenwirkungen in der Erziehung — Heidelberg, 1965

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I. TEIL

I. UMGRENZUNG DES GESETZES
Der Titel dieser Betrachtungen mag befremdlich
wirken. Die Sache, um die es sich handelt, ist jedem
aus eigener Erfahrung bekannt. Was ist alltäg-
licher, als daß unsere Absichten, auch die best-
durchdachten, vom ernsten Gang des Schicksals
oder vom törichten Zufall durchkreuzt werden?
Wir können planen, wollen, handeln; die Erfolge
haben wir nicht in der Hand. Auf keinem Gebiet
tritt dies so deutlich und enttäuschend zutage, wie
auf dem der Erziehung. Darüber ein eigenes Buch
zu schreiben, scheint überflüssig; denn jeder weiß
das ohnehin. Es scheint sogar gefährlich, weil es
die frohgemute Zuversicht junger Erzieher läh-
men könnte.
Aber der Ton liegt garnicht auf den Fehlwir-
kungen oder den ungewollten Nebenwirkungen
als solchen. Der Titel will gelesen werden: „Das
Gesetz der ungewollten Nebenwirkungen“. Es
geht nicht darum, noch einmal über „des Lebens
labyrinthisch irren Lauf“ zu klagen. Wenn von
einem Gesetz gesprochen werden darf, erfährt das
unheimlich Irrationale doch eine Art von Milde-
rung, und was zum Pessimismus Anlaß geben
könnte, wird zugleich von dem tröstlichen Schim-
mer gefärbt: hier waltet ein Regelfall des Lebens.
Ein solcher darf dem Pädagogen nicht fremd blei-
ben; denn er will ja fürs Leben erziehen. Also muß
er in seinem eigenen Handeln auf Zusammenhänge

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