Spranger, Eduard
Das Gesetz der ungewollten Nebenwirkungen in der Erziehung — Heidelberg, 1965

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vorausgesehen noch kompensiert werden. Dahin
gehören einmalige Schicksalskonstellationen, die
ganz unberechenbar, unerwartet, unheimlich her-
einbrechen und unsere Absichten durchkreuzen.
Die Grenzen zwischen diesen Spielarten sind, wie
hervorgehoben, fließend; schon deshalb, weil die
beteiligten handelnden Subjekte mit ungleichen
Begabungen und Kenntnissen ausgestattet sind.
Allen ungewollten (meist auch unerwünschten)
Nebenwirkungen aber ist gemeinsam, daß sie auf
das Bewußtsein des wollenden und handelnden
Subjektes zurückwirken. Ist die Umbildung
der Sinnesart, die sie dort hervorbringen, von
ethischer Bedeutung, so ergeben sich neue Ge-
sichtspunkte der Betrachtung. Gerade beim Über-
gang zur Anwendung unseres Prinzips auf das
pädagogische Gebiet werden sie sehr wichtig sein.
Ihnen wird daher ein besonderer Abschnitt ge-
widmet werden müssen.

III. VORBLICK AUF DAS GEBIET DER ERZIEHUNG
Es soll geprüft werden, ob das Gesetz der un-
gewollten Nebenerfolge und ihrer Rückwirkung
auf den Handelnden auch in der pädagogischen
Provinz, also für die Erziehung, gilt. Unter Er-
ziehung soll hier jede Art von bewußter Tätig-
keit verstanden werden, die einen Menschen in
seinem Wesen und Verhalten formen will. Darin
ist also eingeschlossen sowohl Wissensbildung wie
Charakterformung, sowohl Hineinbildung in die

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