Spranger, Eduard
Das Gesetz der ungewollten Nebenwirkungen in der Erziehung — Heidelberg, 1965

Page: 26
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Die mit unserem Thema aufgeworfene Frage
aber betrifft etwas ganz Spezielles: Es ist zu unter-
suchen, ob das Gesetz der ungewollten Neben-
wirkungen des Handelns auch dann noch seine
Gültigkeit behält, wenn die irrige Analogie mit
technischer Lenkung und mit der bloßen Unter-
stützung von Entwicklungsvorgängen schon über-
wunden ist. Es wird sich heraussteilen, daß das im
Gesetz behauptete Inkongruenzverhältnis nicht
nur bestehen bleibt, sondern gesteigert auftritt.
Damit werden die Hoffnungen auf die erreichbare
Funktionssicherheit pädagogischer Methoden ent-
täuscht, die wahren Ansatzpunkte aber erst in
ihrer ganzen Tiefe erkannt.

IV. ZWEI PÄDAGOGISCHE
FUNDAMENTALBEISPIELE
Da im Gebiet der Erziehung die einzelnen
Zweckhandlungen erst von dem Ganzen eines Er-
ziehungsplanes her ihre Bedeutung gewinnen,
wird es erlaubt sein, schon als erste grundlegende
Beispiele sehr komplexe Zwecksetzungen zu wäh-
len. Es läßt sich zeigen, daß jeder Plan, den der
Erzieher aufstellt, ungewollte Nebenwirkungen
zur Folge hat. Und zwar erscheint das „Ungewoll-
te“ in beiden Fällen, die wir heranziehen, ganz
deutlich in der Gestalt des „Unerwünschten“. Das
erste Beispiel stammt aus der Problematik der
Unterrichtsgestaltung; das zweite wurzelt vorwie-
gend auf dem Felde der sittlichen Erziehung. Beide

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