Spranger, Eduard
Das Gesetz der ungewollten Nebenwirkungen in der Erziehung — Heidelberg, 1965

Page: 89
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ursprüngliche sittliche Kraft von selbst durch-
bricht, da verläuft der ganze Vorgang resultatlos.
Denn selbst ein bloßer Unterrichtserfolg bliebe
ohne inneren Wert, weil echte Erkenntnis immer
eine ethische Leistung sein muß.

VIII. DIE RÜCKWIRKUNG AUF DEN ERZIEHER
Der Mensch verändert nicht nur durch sein Tun
die ihm gegenüberstehende Welt; sein Tun ver-
ändert auch ihn selbst. Es hängt daher mit seiner
seelischen Tiefe enger zusammen, als im Abend-
land beachtet wird. Das Karma des Buddhisten gilt
als etwas, das nie wieder ganz austilgbar ist. Hin-
gegen interessiert den Abendländer, je „aufge-
klärter“ er wird, die nach außen tretende Leistung.
„Die Gesinnung“, so denkt man, „ist doch unkon-
trollierbar. Damit mag sich jeder für sich in sei-
nem verschwiegenen Innern auseinandersetzen.
Wir prüfen das, was dabei — im wörtlichsten
Sinne! — heraus gekommen ist.“
In Wahrheit aber ist das Handeln von der wil-
lensbestimmenden Gesinnung an bis zum außer-
seelischen Erfolg eine Sinneinheit. Dies wird auch
dadurch bestätigt, daß bei wiederholten Handlun-
gen der Erfolg auf das wollende Bewußtsein zu-
rückwirkt. Die Intention wird nachträglich „kor-
rigiert“. Korrigieren kann hier allerdings sehr
Verschiedenes bedeuten.
Damit beginnt eine veränderte Betrachtungs-
weise unseres Gesetzes. Bisher war die Rede vom

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