Spranger, Eduard
Das Gesetz der ungewollten Nebenwirkungen in der Erziehung — Heidelberg, 1965

Page: 110
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ANHANG

VOM WISSENSCHAFTSCHARAKTER
DER PÄDAGOGIK
Man legt heute nicht mehr soviel Gewicht auf
die Einordnung einer Einzelwissenschaft in die
Gesamtheit der Wissenschaften, wie es unter der
Nachwirkung der großen philosophischen System-
bildungen der Fall war. Meistens ist es ebenso
schwer, das Sachgebiet einer geisteswissenschaft-
lichen Disziplin genau abzustecken, wie ihre Me-
thoden auf eine vorherrschende zurückzuführen.
Trotzdem können Erwägungen solcher Art etwas
dazu beitragen, die zentrale Problemstellung einer
Wissenschaft schärfer zu erfassen.
Der Wissenschaftscharakter der Pädagogik ist
zu allen Zeiten umstritten gewesen. Wer sie nicht
für eine bloße Sammlung von Erziehungserfah-
rungen erklärte, zählte sie zu den „angewandten
Wissenschaften“. Man sieht es aber schon diesem
Namen an, daß es sich um eine Verlegenheitsaus-
kunft handelte. Er weist auf theoretische Wissen-
schaften zurück, die durch ihre Anwendung vieb
leicht eine besondere Zuspitzung erhalten. Aber
welches wären in unserem Falle die vorauszu-
setzenden Grundwissenschaften? — Herbart hat
geantwortet: die Ethik und die Psychologie. Offen-
bar war damit das Eigentümliche der Pädagogik
nicht getroffen. Denn die Politik macht ebenfalls
von Psychologie und Ethik Gebrauch, könnte also
angewandte Wissenschaft heißen; ihr eigentliches

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