Menze, Clemens
Wilhelm von Humboldts Lehre und Bild vom Menschen — Ratingen bei Düsseldorf, 1965

Page: 174
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tät, und läßt ein rein sachgerechtes Verhalten nicht zu.254) Lediglich dem Bereich des
Mitmenschlichen mißt er - allerdings im eingeschränkten Sinne - eine der Kunst ähnliche
Bedeutung zu.
Der Eigencharakter der Welt verliert vor der alles beherrschenden Frage nach der Indi-
vidualität und ihrer Bildung im Denken Humboldts seine Bedeutung. Wo Humboldt die
Frage nach dem Sein und dem Wesen der Welt streift, trägt er seine Vorstellungen aus
dem Fragekreis der menschlichen Bildung in sie hinein. Das Wesen der Welt ist ihm
weder bloße Einheit wie bei Spinoza noch reine Vielheit wie in der Atomistik, sondern
Welt ist Einheit in der Vielheit. Sie ist das Unveränderliche, das den Wechsel Tragende
und in dem Wechsel Beharrende und insofern für Humboldt das Unendliche, das Gesamt
aller unvertilgbaren tätigen Kräfte. Sie ist das Uni-versum, in dem sich alles aus seiner
Vielheit heraus auf die Einheit hinwendet. Auch in der Welt der Natur gilt jene ewige
Wechselwirkung mit dem Gesetz der Differenzierung und Integration, durch die sich das
Lebendige zu seiner Idealität emporbildet.

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