Menze, Clemens
Wilhelm von Humboldts Lehre und Bild vom Menschen — Ratingen bei Düsseldorf, 1965

Page: 273
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Anmerkungen

Einleitung: Humboldt-Bild und Humboldt-Deutung im 20. Jahrhundert
!) Zu diesen umrißhaften historischen Vorüberlegungen vgl. aus der umfangreichen Literatur
zu dieser Frage: Reinhard Wittram, Das Interesse an der Geschichte. Göttingen 1958 (Kleine
Vandenhoeck-Reihe 59/60/61). S. ferner auch Walther Brüning, Geschichtsphilosophie der Gegen-
wart. Stuttgart 1961; Eduard Spranger: Der Sinn der Voraussetzungslosigkeit in den Geistes-
wissenschaften. Unveränderter Nachdruck der ersten Auflage von 1929. Darmstadt 1962, S. 15 ff.
Die ganze Problematik faßt Dilthey in dem Urteil zusammen: „Wir sind zuerst geschichtliche
Wesen, ehe wir Betrachter der Geschichte sind, und nur weil wir jene sind, werden wir zu diesen“
(VII 278).
2) Mannigfache Äußerungen seiner Zeitgenossen liegen vor, die bald die eine, bald die andere
Seite Humboldts in den Mittelpunkt rücken. Eine ausführliche und aus vielen Quellen belegte
Darstellung des Menschen Humboldt, wie die Zeitgenossen ihn beurteilten und er sich selbst sah,
bietet u. a. Ernst Howald, Wilhelm von Humboldt. Erlenbach-Zürich 1944 in dem Kapitel „Der
Mensch“, S. 7-44.
3) Boeckh hielt seine Rede auf Wilhelm von Humboldt am 9. Juli 1835. Sie wurde zuerst ver-
öffentlich im Litterarischen Zodiacus 1835 von Th. Mundt. Boeckh preist Wilhelm von Humboldt
als einen „Staatsmann von Perikleischer Hoheit des Sinnes“ (s. August Boeckh’s gesammelte kleine
Schriften. Bd. 2, Leipzig 1859, S. 213). Er rühmt seine wissenschaftlichen Bemühungen, die sich
über alle Fachgebiete hinausrecken: „Philosophie und Poesie, Redekunst, geschichtliche, philolo-
gische, linguistische Gelehrsamkeit waren in ihm zu einer durch keinen Mißklang gestörten Har-
monie, und zu jenem wunderbaren Ebenmaß verschmolzen, welches das Gepräge der besonnensten
Meisterschaft ist. Klarheit und Tiefe, hoher Verstand und eindringender Scharfsinn und lebendige
Einbildungskraft, Würde und Anmuth, Bewältigung eines Ungeheuern mit unermüdlichem Fleiße
zusammengebrachten Stoffes, der mit strenger Technik für den Gedanken verarbeitet ist, und
wieder der feinste Geschmack und ein zarter Sinn für vollendete Kunstform, mit Gewandtheit
und antiker Plastik der Darstellung, geben seinem Wirken ebensosehr dauernden Werth als
eigenthümlichen Reiz“ (ebd.). Vor allem der „späte“ Humboldt mit seinen sprachwissenschaft-
lichen Arbeiten findet eine eingehende Würdigung. Boeckh bewundert Humboldts umfassendes
Gesamtschaffen. Jede kritische Distanz fehlt. (Das erklärt sich allerdings auch wohl aus dem
besonderen Anlaß der Rede, der für Kritik oder gar Polemik keinen Raum geben konnte.)
Humboldt wird bei Boeckh zum Idealbild des im Dienste der Wissenschaft ewig strebenden,
dabei aber doch harmonischen Menschen, dessen persönliches und wissenschaftliches Ethos die
Nachfahren verpflichtet.
4) Vgl. K. A. Varnhagen von Ense, Wilhelm von Humboldt. In: Denkwürdigkeiten und Ver-
mischte Schriften. Bd. 5, Leipzig 18432, S. 118-158. In dem Aufsatz von Maximilian Blumen-
thal, Wilhelm von Humboldt und Varnhagen v. Ense. Mit einer bisher unbekannten Biographie
Wilhelm v. Humboldts von Varnhagen. In: Westermanns illustrierte deutsche Monats-Hefte.
Jg. 48, Bd. 96 (1904), S. 422-436 finden sich in der mitgeteilten „unbekannten“ Biographie Wil-
helm von Humboldts nur wenige Textvarianten von der in den Denkwürdigkeiten und Ver-
mischten Schriften Varnhagens publizierten Biographie. Sie sind durchweg stilistischer Art.
Wahrscheinlich hat Varnhagen das Blumenthal vorliegende Manuskript bei Fertigstellung der
Druckfassung durch behutsame Änderungen noch stilistisch verändern wollen. Hinzu kommt, daß
Blumenthal den Varnhagenschen Text nicht in der Originalschrift abdruckte, sondern ihn moder-
nisierte. Auch auf diese Weise können einige allerdings unbedeutende Abweichungen von der
Varnhagenschen Vorlage in den Text eingedrungen sein. Zu dem ersten Entwurf Varnhagens
vgl. den Brief Alexander von Humboldts an Varnhagen von Ense vom 7. November 1837 (In:

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