Seiffert, Helmut
Muß die Pädagogik eigenständig sein? — Essen, 1964

Page: 9
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Die Proklamation der pädagogischen Eigenständigkeit
in der geisteswissenschaftlichen Pädagogik

Der Begriff der »pädagogischen Autonomie« wurde in den letzten
Jahrzehnten lebhaft diskutiert. Es gibt wohl nur wenige Schlag-
Wörter, bei denen die eigentümlichen Schwierigkeiten einer grund»
sätzlich argumentierenden, aber praktische Konsequenzen nicht
bis zu Ende durchspielenden Denkweise so sichtbar werden wie
hier.
Denn der Begriff einer »pädagogischen Autonomie« oder, wie
man auch vorsichtiger sagt, der »relativen Autonomie« oder der
»Eigenständigkeit« ist zwar so lange plausibel, wie man ihn in
der Schwebe allgemeiner Erörterungen hält. Er wird aber sofort
problematisch, sobald man an einzelnen Punkten ins Detail geht
und danach fragt, worin sich die Eigenständigkeit der Pädagogik
denn konkret manifestiere und wodurch sich eigentlich die »päd»
agogisch eigenständige« und die »nicht pädagogisch eigenstän»
dige« Version ein und derselben Angelegenheit faktisch unter»
scheiden.
Auf eine solche Präzision des Begriffes der Eigenständigkeit, auf
seine Zuspitzung für die Einzelaufgaben des erzieherischen All»
tages, käme es jedoch an.

I. Was ist pädagogische Autonomie?
Wir wollen diesen Begriff zunächst lediglich referierend so vor»
stellen, wie er sich in den Formulierungen der wichtigsten Auto»
ren spiegelt. Die kritische Diskussion wird sich dann anschließen.1
1. Geißlers Exposition des Problems
Georg Geissler umschreibt das allgemeine Problem der pädago»
gischen Autonomie so:

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