Seiffert, Helmut
Muß die Pädagogik eigenständig sein? — Essen, 1964

Page: 62
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/DF1000S459/0063
0.5
1 cm
facsimile
kung auf bestimmte, etwa nur im strengen Sinne geisteswissenschaft»
liehe Methoden. Sie meint vielmehr die Gesinnung, mit der in der
Pädagogik Methoden gehandhabt werden müssen. Man hat gesagt, daß
bei den empirischen Wissenschaften und Methoden die humane Rück»
beziehung aller Erkenntnisse auf den Menschen außer acht gelassen
würde, aber muß das sein und sind die Gründe dafür wirklich zwingend?
Und können nicht auch Geisteswissenschaften inhuman und menschen»
feindlich betrieben werden? Idr denke, dafür hat uns die Vergangen»
heit auch Beispiele gegeben. . . . Die Pädagogik als eine Wissenschaft
vom Menschen kann auf keine Einsicht, auf keine Methoden verzieh»
ten, die versprechen, Probleme lösen zu helfen. .. ,«82
»Der Mensch ist ein so vielschichtiges und vielfältiges Problem, daß er
in den Bereich der Natur», der Sozial» und der Geisteswissenschaften
gehört. Einem solchen >Gegenstand< gegenüber gibt es nur >multiple
approaches<, wie die Amerikaner sagen, d. h. vielfältige Wissenschaft»
liehe Anmarschwege.
>Reine< wissenschaftliche Forschungswege sind sowieso selten geworden.
Das Problem sind heute die methodischen Mischformen, die Quer»
Verbindungen zwischen den Wissenschaften, die Zusammenarbeit der
Fakultäten, um mit solchen verwickelten Themen wie >das Kind< oder
>die Jugend< oder >die Erziehung< fertig zu werden.«83
Das führt uns wieder auf die Frage »interdisziplinärer« Arbeit an
bestimmten Fragestellungen, von der bereits oben die Rede war.
Es gibt Wissenschaften, die sich von vornherein darüber klar sind,
daß sie über eine einheitliche, geschlossene, »eigenständige«
Methode gar nicht verfügen und nicht verfügen können. Die So»
ziologie etwa ist eine solche Wissenschaft. Sie weiß, daß sie ihre
Forschungsgegenstände nur mit Hilfe eines Methodenpluralismus
bewältigen kann, der von historisch=philologischen und phäno»
menologischen bis hin zu statistischen und mathematischen
Methoden reichen kann.

II. Das Unmenschliche der »Begegnung«
Die vielerlei Verkrampftheiten, die wir in dem Bestreben der
Pädagogik, um jeden Preis eigenständig sein zu wollen, erkannt

62
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list