Klafki, Wolfgang
Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung — Weinheim/​bergstr., 1964

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EINLEITUNG

PROBLEME UND BEGRIFFE
1. Die Probleme, mit denen sich die vorliegende Arbeit be-
schäftigt, sind dem Verfasser zuerst an der eigenen Unter-
richtspraxis in ländlichen Volksschulen aufgegangen. Die
Fragen, die dort im engen Kreise persönlicher Erfahrung und
in der dadurch bedingten Brechung und Beschränkung der
allgemeinen Probleme auftauchten, erwiesen sich beim Studium
der neueren Literatur zur Didaktik (Theorie der Bildungsinhalte)
und Erziehungslehre (Lehre von den Werten und Formen sitt-
lich-sozialer Erziehung) als Grundfragen der inneren Gestaltung
des Erziehungs- und Bildungswesens in unserer Zeit. Der
Versuch der theoretischen Durchleuchtung der verschiedenen
praktischen Ansätze führte gleichzeitig immer wieder über die
Ebene der Didaktik und Erziehungslehre hinaus in den erzie-
hungsphilosophischen Bereich der Bildungstheorie; denn alle
Vorschläge der Didaktik und Erziehungslehre enthüllen ihren
tiefsten Sinn erst, wo sie auf die Bedingungen ihrer Möglich-
keit, auf die in ihnen sich offenbarende Auffassung vom Wesen
der „Bildung" - die hier als Leitbegriff aller pädagogischen
Arbeit verstanden wird - befragt werden.
Wir haben mit den einleitenden Sätzen auf die beiden Pro-
blemschichten hingewiesen, die schon in der Zweigliedrigkeit
des Themas der vorliegenden Abhandlung angedeutet sind und
in denen die uns beschäftigenden Probleme im folgenden er-
örtert werden müssen. Nicht immer wird es jedoch möglich
sein, die eben unterschiedenen beiden Schichten auch über diese
Einleitung hinaus streng voneinander abzuheben. *)
2. Wir charakterisieren zunächst die Aufgabe unserer Unter-
suchung für die Schicht der Didaktik und Erziehungslehre. Daß
*) Eine ausführliche Herleitung desRechtes, verschiedene „Schichten" pädagogischer Proble-
me zu unterscheiden, kann an dieser Stelle nicht gegeben werden. Diese Unterscheidung
resultiert aus methodologischen Erwägungen, die nicht auf das in unserer Arbeit zu unter-
suchende Problem beschränkt sind; der Verfasser hat diese Herleitung in dem Aufsatz
„DieStufen des pädagogischen Denkens" (Zeitschr. „Bildung und Erziehung", 7.Jahrg.
1954, H.4 u. H.5) zu geben versucht. Sie am vorliegenden Problem innerhalb der Unter-
suchung erst zu entwickeln, hätte die folgende Darstellung unnötig kompliziert. Die ge-
nannte Unterscheidung mag hier zunächst als methodisches Hilfsmittel hingenommen wer-
den; ihr Wert wird in der Durchführung sichtbar werden.

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