Klafki, Wolfgang
Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung — Weinheim/​bergstr., 1964

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2. KAPITEL

DAS PROBLEM DER KATEGORIALEN BILDUNG
IN DER PÄDAGOGIK FRUBELS
Vorbemerkung '
Her Versuch, Friedrich Fröbels Pädagogik unter einem
bestimmten Gesichtspunkt zu betrachten, stößt auf eine doppelte
Schwierigkeit: Es lassen sich aus Fröbels Theorie kaum selb-
ständige Einzelzüge herauslösen; jeder Gedanke ist hier auf
das Ganze bezogen und nur von ihm her verständlich. Zweitens
aber ist Fröbels pädagogische Theorie unlöslich mit seinen
philosophisch-weltanschaulichen Gedanken verbunden, bildet
gleichsam deren „praktische Spitze". - Der damit angedeutete
große Rahmen seiner Pädagogik kann im folgenden nicht ent-
wickelt oder interpretiert werden, er muß als in den Grund-
zügen bekannt vorausgesetzt werden. 257) Hier soll im Anfang
des ersten Abschnittes nur an diejenigen Kerngedanken der
metaphysischen Grundkonzeption Fröbels erinnert werden, die
eine Beziehung zu dem Problem unserer Untersuchung deutlich
werden lassen. Es wird sich dabei zeigen, daß diese Beziehung
ganz unmittelbar ist; der Grundgedanke der vorliegenden Arbeit:
Die Überwindung der oberflächlichen Scheidung von materialem
und formalem, objektivem und subjektivem Aspekt in der
Bildungstheorie, die Klärung der dialektischen Verschränkung
dieser Aspekte im Phänomen der Bildung und die Entfaltung
der daraus sich ergebenden Folgerungen für die praktische
Bildungsarbeit, diese Grundgedanken stehen im Zentrum der
Bildungstheorie Fröbels. Allerdings - und darin liegt hier die
Schwierigkeit — erscheinen sie im Rahmen eines romantisch-
Panentheistischen Weltbildes und in der diesem Weltbild ange-
messenen Sprache. Auch besteht kein Zweifel, daß Fröbel eben
nur dank dieser Weltschau zur Konzeption einer Bildungstheorie
kam, die die fraglichen Kerngedanken ins Zentrum rückt. Des-
halb kann keine Darstellung den Zusammenhang dieser Bil-
dungstheorie mit der sie stützenden Metaphysik ignorieren oder
auflösen. Ist aber der Wert der ersteren deshalb auch un-
löslich an jene metaphysischen Voraussetzungen gebunden? -
Daß ein bestimmtes Weltbild jemandem den Blick öffnet für ein
Pädagogisches Problem und seine Deutung, die dann immer in
der Sprache jenes Weltbildes geschehen wird, heißt nicht, daß

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