Klafki, Wolfgang
Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung — Weinheim/​bergstr., 1964

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3. KAPITEL

DAS PROBLEM DER KATEGORIALEN BILDUNG
IN DER PÄDAGOGIK HERBARTS
I. HERBARTS STELLUNGNAHME ZU PESTALOZZIS
ELEMENTARMETHODE
1. Für das pädagogische Denken Johann Friedrich Herbarts
ist die Begegnung mit Pestalozzi (1798) und die Auseinander-
setzung mit dessen frühen Schriften zur Elementarmethode von
wesentlicher Bedeutung gewesen. 396) Wenn die Beschäftigung
mit Pestalozzis Schriften, vor allem mit ,,Wie Gertrud ihre
Kinder lehrt" und mit den Elementarbüchern auch im ganzen
mehr der Herausbildung und Klärung eines eigenen, neuen An-
satzes diente, so klingt die „Idee der Elementarmethode" doch
bis in die letzten pädagogischen Schriften Herbarts nach. Ein
Stück Weges ist er Pestalozzi unmittelbar gefolgt. Das geschah
in drei Abhandlungen und drei Rezensionen zur Elementar-
methode, besonders zum ABC der Anschauung. 397) Indessen
erfährt dieser Teil von Pestalozzis Methode schon hier charak-
teristische Abwandlungen, außerdem wird seine Bedeutung für
die gesamte Erziehungs- und Bildungsaufgabe stark einge-
schränkt. Aus der Sicht Herbarts heraus konnte Pestalozzis
Methode bei aller Wertschätzung nur als zureichend für die
Erziehung „des frühsten Alters..., das irgend taugt. Unter-
richt zu empfangen", gelten. 398) Und selbst da noch schien sie
ihm nur der Erziehung der ärmsten Bevölkerungsschichten,
des „Menschen in einem Zustande der Not" 399) zu genügen.
Insofern Maber eine höhere Kultur für uns die größere und
schwerere Aufgabe ist", hielt er es für unmittelbar einsichtig,
udaß eine ganz andere Feinheit des Gefühls für einen weit
größeren Gesichtskreis, für eine weit reichere Phantasie,
verbunden mit einem weit tieferen Forscherblick . . . durch die
Erziehung nur bei einem Verfahren gewonnen werden kann, das
zwar das vorige in sich aufnimmt, aber dennoch von einem
anderen Hauptgesichtspunkt ausgeht". 40°) Im Anhang zu der
Schrift über Pestalozzis Idee eines ABC der Anschauung hat
Kerbart diesen anderen Hauptgesichtspunkt erörtert: „Die
ästhetische Darstellung der Welt als Hauptgeschäft der Erzie-
hung. "

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