Klafki, Wolfgang
Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung — Weinheim/​bergstr., 1964

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8. KAPITEL

DIE THEORIE DER BILDUNGSINHALTE
UND BILDUNGSWERTE. DIE ÜBERWINDUNG
DES DIDAKTISCHEN OBJEKTIVISMUS

1. Eine im Prinzip gleiche Auffassung von der Struktur der
Bildung, wie sie im vorigen Kapitel sichtbar wurde, scheint
uns in Erich Wenigers pädagogischen Schriften zum Ausdruck
zu kommen. Diese Sichtweise ermöglicht es ihm, jene didak ^
tischen Kernprobleme, die in den Begriffen „Bildungsgehalt
und „Bildungswert" beschlossen sind, neu zu durchdenken und
damit Ansätze, die wir bei Richard Seyfert vorfanden, ent-
scheidend fortzuführen. 47)
Der Zusammenhang dieser didaktischen Grundprobleme mit
jener zuvor skizzierten Deutung des Bildungsbegriffes ist klar.
Jene „Wirklichkeit", für die erschlossen zu sein uns als das
Wesen des Gebildeten erschien, diese Wirklichkeit, die als
erschlossene und das heißt geistig bewältigte nichts anderes ist
als jene Lebendigkeit, die in der Pädagogik so oft als „formale
Bildung" oder „Kraftbildung" bezeichnet wird, sie ist im Raum
bewußter Erziehungs- und Bildungsarbeit repräsentiert durch
die „Bildungsinhalte", die ob ihres „Bildungswertes aus der
Fülle denkbarer Inhalte ausgewählt werden. Die Bildungsinha te
also werden wir als Mdas Wirklichkeit Erschließende betrac
ten dürfen, und der „ Bildungswert" liegt eben in dieser er-
schließenden Kraft der Bildungsinhalte. Bevor wir uns erneut
der Frage nach dem Elementaren zuwenden, müssen wir einige
Grundzüge der vor allem von Erich Weniger entwickelten gei
steswissenschaftlichen Didaktik aufzeigen, die uns erlauben,
das Problem des Elementaren in den folgenden Abschnitten
weiter zu klären. .
Weniger lehnt die objektivistische Vorstellung, die wir ei
Willmann und Kerschensteiner vorfanden, daß nämlich le
Frage der Bildungswerte ohne Bezug auf konkrete geschic
liehe Situationen durch wertphilosophische Überlegungen ent
schieden werden könne, ebenso ab wie die falschen, substan
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