Klafki, Wolfgang
Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung — Weinheim/​bergstr., 1964

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11. KAPITEL

DIE FRAGEHALTUNG UND DER „FRUCHTBARE
MOMENT" IM BILDUNGSPROZESS. -
DER IMMANENT-METHODISCHE SINN DER
KATEGORIALEN BILDUNG
1. Die Bestimmung der Bildungsinhalte und des Elementaren
erwies sich im letzten Abschnitt als abhängig von unterschied-
lichen Ebenen der Sinnhaltung. Diese allgemeine Korrelation
des objektiven und des subjektiven Momentes, die erst erlaubt,
vom Pädagogisch-Elementaren zu sprechen, konkretisiert
sich im Hinblick auf die vielen einzelnen Bildungsvorgänge - im
Sinne der kategorialen Bildung also auf das Gewinnen von fun-
damentalen, transzendental-elementaren oder geschichtlich-
elementaren Erfahrungen und Einsichten - im Problem der
Frage und des „fruchtbaren Momentes". Damit ge-
winnt Friedrich Copeis Buch „Der fruchtbare Moment im Bil-
dungsprozeß" entscheidende Bedeutung für die Theorie der
kategorialen Bildung und des Elementaren, obgleich Copei seine
Gedanken nicht in ausdrücklicher Beziehung zum Fragenkreis
des Elementaren entwickelt hat. Am Schluß dieses Abschnittes
wird jedoch zu zeigen sein, wie das Problem des Elementaren
im Zusammenhang der Überlegungen Copeis selbst entspringt.
Damit rechtfertigen wir gleichsam nachträglich unser Vorge-
hen, bei dem die eingehende Erörterung des Problems des Ele-
mentaren dem gegenwärtigen Abschnitt bereits vorausging.
Aus der Analyse des sokratischen Lehrverfahrens, der sog.
Mäeutik, gewinnt Copei die beiden Grundgedanken seines Bu-
ches: Erstens: Geistige Bildung geht immer aus von der Er-
weckung echter Fragen, von der Erregung innerer Spannungen,
eines Geöffnet-Seins für einen übersubjektiven Sinn; solche
„Fragehaltung" wächst hervor aus der Erschütterung des bis-
lang Selbstverständlichen oder aus dem Staunen vor einem
neuen, mindestens unerwarteten Phänomen, im intellektuellen
Bereich nicht weniger als im ästhetischen, ethischen oder reli-
giösen. - Zweitens: Die eigentlich bildende Wirkung einer
theoretischen Einsicht, einer sittlichen Entscheidung, eines
ästhetischen Erlebnisses liegt in einem eigentümlichen Erleb-
nis beschlossen: dem „Aufblitzen" einer Einsicht, dem „Auf-

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