Derbolav, Josef [Editor]
Psychologie und Pädagogik: neue Forschungen und Ergebnisse — Heidelberg, 1959

Page: 49
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ÜBER DAS VERHÄLTNIS
VON PSYCHOLOGIE UND PÄDAGOGIK
Martinus J. Langeveld

I
1. Die Frage, wie sich die Pädagogik und die Psychologie zuein-
ander verhalten, ist in dieser Allgemeinheit nicht zu behandeln. Es
haben diese beiden Wissenschaften ja zu lange und unter zu sehr ver-
schiedenen Bedingungen und Voraussetzungen um ihre Selbstbestim-
mung gerungen, als daß „die Psychologie“ und „die Pädagogik“ für
die Forscher der Gegenwart genügend Klarheit haben könnten, um
die Grundlage einer wissenschaftlichen Untersuchung bilden zu kön-
nen. Es gibt für jeden von uns, das glaube ich wohl behaupten zu
dürfen, vieles, das sich „Psychologie“ und vieles, das sich „Pädago-
gik“ nennt, wofür wir keinerlei wissenschaftliche Verantwortung
übernehmen würden.
Hat übrigens die ganze Pädagogik - also auch z. B. die historische
und die vergleichende - eine Beziehung zu der ganzen Psychologie,
vorausgesetzt wir hätten festgestellt, von was für einer Psychologie
und Pädagogik wir überhaupt reden wollen?
Beharren wir einen Augenblick auf dem hier naiv vorausgesetzten
Bilde zweier in sich geschlossener Gebiete, wo der Besitzer des einen
manchmal in das Gebiet des anderen eintritt, um sich etwas für ihn
Nützliches zu holen, dann wäre der Enderfolg entweder, daß die
Pädagogik sich die ganze Psychologie ins Haus geschleppt hätte, oder
daß sich die Pädagogik im fremden Gelände jedesmal einen willkür-
lich und zusammenhanglos herausgenommenen Brocken aneignen
würde, ohne eigentliches Verständnis für das, was sie sich auf diese
Weise wie eine Art blinder Plünderer erwerben würde. Auch wenn
es uns manchmal so vorkommt, als ob bei gewissen Pädagogen ein
solches Verhältnis zur Psychologie bestehe, können wir das doch
nicht für das wesentliche und richtige Verhältnis dieser beiden Wis-
sensgebiete ansehen.
2. Aber auch wo es sich nicht mehr um „Psychologie im allgemei-
nen“ und „Pädagogik im allgemeinen“ handelt, sind Fragen der
Wissenschaftstheorie und der von ihr vorausgesetzten Ontologie, Er-
kenntnistheorie und Logik unumgänglich. Damit aber dehnt sich un-

4 Hochsch. f. Int. Päd. F. 2

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