Schaller, Klaus
Die Krise der humanistischen Pädagogik und der kirchliche Unterricht eine pädagogische Skizze: eine pädagogische Skizze — Heidelberg, 1961

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I.

DIE BEDEUTUNG DER WESENSFRAGE FÜR DAS
ERZIEHERISCHE HANDELN
Immer wieder wird menschliches Überlegen darauf ver-
wiesen, nach einem Maßstab zu suchen, der menschliches
Tun zu beurteilen und zu rechtfertigen vermag. Gerade
dies zeichnet ja das Tun des Menschen aus, daß es
menschliches Tun erst ist, wenn es bereit ist, sich zu
verantworten. Namentlich dann wird solche Verantwor-
tung besonders dringlich, wenn das Tun selbst proble-
matisch ist. Dies ist nun aber gerade beim erzieherischen
Handeln des Menschen am Menschen der Fall. Die Er-
ziehung selbst erscheint uns heute als ein Wagnis.
O. F. Bollnow weist darauf hin, „daß die Möglichkeit
des Scheiterns ... im Wesen, ja in der Würde der Er-
ziehung selbst angelegt ist. . . Die verantwortungs-
bewußte Übernahme des Wagnisses und die damit zu-
gleich gegebene Möglichkeit des Scheiterns bezeichnen die
unvermeidbaren existentiellen Momente im eigenen Le-
ben jedes Erziehers').“ In der Erziehung werden der
Zögling und der Erzieher gleichermaßen aufs Spiel ge-
setzt. Herbart weiß, „daß Knaben und Jünglinge ge-
wagt werden müssen, um Männer zu werden * 2)“. Und
der Erzieher andererseits wagt sich und sein Handeln

*) Bollnow, Otto Friedrich: Existenzphilosophie und Päd-
agogik. - Stuttgart: Kohlhammer 1959 (Urban-Bücher 40),
S. 132 f.; Kudritzki, G.: Wagnis und Scheitern. Eine phäno-
menologische Erörterung in pädagogischem Hinblick. - Diss.
Tübingen 1959.
2) Herbart, Joh. Fr.: Allgemeine Pädagogik ... 1806, Erstes
Buch, Kap. I, Abs. II: Maßregeln der Kinderregierung.

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