Schaller, Klaus
Die Krise der humanistischen Pädagogik und der kirchliche Unterricht eine pädagogische Skizze: eine pädagogische Skizze — Heidelberg, 1961

Page: 30
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/DF4000-S298-2/0034
0.5
1 cm
facsimile
III.

DIE INANSPRUCHNAHME
ALS GRUNDPHÄNOMEN MENSCHLICHEN SEINS
UND ALS PRINZIP DER ERZIEHUNG
Ehe wir nun nach der Herausstellung dieses ersten Merk-
mals der Erziehung, nämlich der Persönlichkeitsformung,
nach anderen Merkmalen suchen, die gleichfalls immer
mitgegeben sein müssen, wo sich erzieherisches Handeln
als solches legitimieren will, ist noch die Vorfrage zu
klären, ob das, was sich hier als wesentlicher Zug von
Erziehung zeigt, was also fraglos zum „Wesen der Er-
ziehung“ gehört, wirklich von so zeitloser Gültigkeit
ist, daß sich an ihm also alle Erziehung als solche er-
messen hat und daß von ihm her auch künftighin sich
alles erzieherische Tun als solches ausweisen muß. Wir
fragen folgendermaßen: Ist das, was wir im Rückgang
auf die Erziehungswirklichkeit als das Wesen der Er-
ziehung eingesehen haben, in allen Zeiten als das maß-
gebende Aussehen von Erziehung erfahren worden? Hier
bleiben uns Zweifel nicht erspart.
Wenn Platon im „Höhlengleichnis“ den Erziehungsprozeß
beschreibt, dann ist da von Persönlichkeitsformung nicht
die Rede. Es geht vielmehr darum, daß der Mensch an
den Ort geführt werde, wo ihm das wahre Wissen ge-
währt wird, wo er um das Gute weiß. Das Gute, das
für alles auf der Welt gut steht, muß geschaut haben,
wer in den öffentlichen und in den privaten Angelegen-
heiten „recht“ handeln will 40), wer weiß, daß er selbst
wieder für das, was in der staatlichen oder privaten
Sphäre ihm anvertraut ist, in seinem Tun gut zu stehen

4°) Platon: Politeia, VII, 51/ c.

30
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list