Schaller, Klaus
Die Krise der humanistischen Pädagogik und der kirchliche Unterricht eine pädagogische Skizze: eine pädagogische Skizze — Heidelberg, 1961

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IV.

DIE GRUNDAUFGABEN
DER ERZIEHUNG
Wir hatten uns zunächst die Frage gestellt, wo denn
das Wesen der Erziehung aufzufinden sei. Nun wissen
wir, daß die Orientierung in der Erziehungswirklichkeit
und ihre Analyse hier nicht ausreichen. Erziehung west .
und waltet dort, wo überhaupt menschliches Sein in der
Welt ist. Von diesem Grundphänomen menschlichen Seins
ist über die Erziehungswirklichkeit, ob sie es weiß oder
nicht, immer schon entschieden. Versteht sie sich als
Bereich persönlichkeitsbildender Einwirkungen, droht sie
bereits aus dem Sinnhorizont dessen herauszufallen, was
heute sich als Erziehung zeigt, nämlich die Hinführung
zur Bereitschaft zu selbstloser und aufgabengetreuer
Sachlichkeit und Mitmenschlichkeit.
Im Durchstoß zu diesem Grundphänomen der Inan-
spruchnahme wurde zugleich das sichtbar, was sie ur-
sprünglich für das Menschsein, aber auch für das Sein
der Welt bedeutet. Erziehung erfuhren wir in ihrem
Ursprung als den Anspruch des Seins im Anderen. Was
nun gemäß dieser Einsicht zu tun ist, ist dies, den jungen
Menschen dahin zu bringen, daß er bereit ist, sich an
den an ihn gerichteten Anspruch des Seins zu halten
und ihm zu entsprechen in seinen Worten und Werken.
So kommt auch ihm das Seine zu.
Über das Wo und Was hinaus ist nun zu fragen, woher
denn dem Menschen dieser Anspruch des Seins zukommt,
wo er dessen innewird, was ihm als Individuum zur
Wahrung auf gegeben ist. Die Individualität des Men-
schen, seine jeweilige Einzigartigkeit besteht darin, daß
einem jeden das Ganze der Welt in einmaliger Weise

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