Schaller, Klaus
Die Krise der humanistischen Pädagogik und der kirchliche Unterricht eine pädagogische Skizze: eine pädagogische Skizze — Heidelberg, 1961

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V.

PÄDAGOGISCHE VERANTWORTUNG

Ein zeitloses „Wesen der Erziehung“ haben wir nicht auf-
zuweisen vermocht. Im Rückgang auf die Inanspruch-
nahme als Grundphänomen menschlichen Seins haben wir
aber eingesehen, daß hier Erziehung ursprünglich waltet.
Von diesem ursprünglichen „Wesen“ der Erziehung her
vermochten wir, einiges über das „Wesen“ der Erziehung,
über ihren Sinn heute auszusagen. Wir nannten sie die
Hinführung des Menschen zu aufgabenbereiter Sachlichkeit
und Mitmenschlichkeit. Die Einsicht in den Sinn von Er-
ziehung heute ist nicht nur von akademischer und theo-
retischer Bedeutung. Im Lichte dieser Einsicht müssen sich
vielmehr all die in der praktischen Erziehungslehre vor-
geschlagenen Erziehungsmaßnahmen als sinnvoll erwei-
sen. Bei jeder einzelnen Maßnahme ist zu fragen, ob sie
sich an das ursprüngliche „Wesen“ von Erziehung hält und
den Sinn von Erziehung heute erfüllt.
Der Erzieher kann sich also nicht auf ein außerhalb und
über allem Erziehen existierendes „Wesen der Erziehung“
berufen, das ihm das rechte Maß seines Erziehens an
die Hand gibt. Die Erziehung „west“ und waltet über-
haupt nur in konkreten erzieherischen Vollzügen. Er-
zieherisch sind diese dann, wenn sie sich an das ursprüng-
liche „An-Wesen“ von Erziehung halten, an das Prinzip
aller Erziehung, wie wir es in der besonderen Weise
menschlichen In-der-Welt-seins sichtbar machen konnten,
wie es in jedem Menschen anders und neu da ist, wie es
sich in jedem Menschen immer schon ereignet hat, be-
vor sich irgendein Erzieher an das Werk der Erziehung
wagt. Dieses „Wesen“ von Erziehung liefert keinen all-

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