Vogelhuber, Oskar
Menschenbildung oder Bildungstechnik? Oskar Vogelhuber — München, 1958

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Leitgedanke

Ein Buch über Bildung, das mit der Zeit nicht weiter schreitet,
ist überflüssig. Wenn also dieses Buch ausgearbeitet wurde und
zum Lesen und Überdenken angeboten wird, dann müssen Be-
obachtungen zum Urteil geführt haben, daß für die Ziele, Pläne
und Methoden der Bildung die Zeit des gründlichen Umgestal-
tens gekommen ist.
Dieses Urteil kann sich stützen auf nicht wenige Äußerungen
bedeutender Persönlichkeiten. Einige sprechen von einem Um-
bruch weltgeschichtlichen Ausmaßes, der die Daseinsweise tief-
greifend verändere und das Weltbild und die Denkweise um-
gestalte, und andere ziehen Folgerungen daraus für die Men-
schen- und Jugendbildung. Das drückt Ortega y Gasset kurz
und gut durch das Wort aus, daß die Bildungsauffassung von
heute weder das Menschenbild noch das Weltbild unserer Zeit
habe. Ergänzt werden derartige Äußerungen durch Beanstan-
dungen der gegenwärtigen pädagogischen Diskussion, von deren
Schärfe Ausdrücke zeugen wie die: Behandlung von Rand- und
Teilfragen, Flick- und Stückwerk ohne Bezug zu einer Mitte,
erschreckende Unverbindlichkeit pädagogischer Gespräche, ge-
ringes Anspruchsniveau des Urteilens, vor allem Reparatur-
arbeit an Überliefertem oder nur Vertiefung in die Tradition
und Spezialarbeit zu ihrer Ausführung statt bahnbrechender
Pionierleistung, die der zeitnotwendigen Lebensform des Men-
schen zu gelten habe.
Aber den Menschen nach dem wirklichen Menschenbild von
heute auszubilden aus ihm selbst durch Einflüsse und Einwir-
kungen der Welt des heutigen Weltbildes ist eine Forderung, die
heute auf Grund von Tatsachen und praktischen Erwägungen
erhoben werden muß, soll die Menschenbildung nicht hinter dem
Übergang der Politik, der Wirtschaft und überhaupt des Lebens
in ein neues Zeitalter Zurückbleiben. Daß die Erörterungen des

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