Vogelhuber, Oskar
Menschenbildung oder Bildungstechnik? Oskar Vogelhuber — München, 1958

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FORTSETZUNG: DER MENSCH ÜBER DEM TIER

Der Mensch ist Sonderentwurf der Schöpfung, wenn audi
innerhalb des Rahmens, der die Lebewesen umfängt. Der Ver-
gleich mit dem Tier stellt klar, welche Eigenschaften im be-
sonderen menschlich sind und der Menschenbildung andere Auf-
gaben stellen als Züchtung, Zähmung und Abrichtung.
Der Mensch hat seine Entwicklung aus dem tiernahen Vor-
menschen mit Nachteilen gegenüber dem Tier bezahlt. Dazu ge-
hört vor allem die Einbuße an Instinkten. Instinkte sind den
Tieren eingeborene Antriebe, gewisse Handlungen auszuführen,
die als zweckmäßig erscheinen zur Erhaltung und Förderung
des Lebens, so Handlungen für den Lebensunterhalt, die Brut-
sorge, den Wohnungsbau, den Schutz. Eingeboren sind sie von
der Gattung her, von daher auch ererbt. Sie zielen auf Betäti-
gungen hin, die für die Gattung zweckmäßig sind, ohne daß sie
vom Inhaber zielgerichtet gesteuert werden. Triebe, die dem
augenblicklichen Zustand des Organismus entspringen wie die
Triebe des Hungers und des Durstes u. a. gelten nicht als In-
stinkte. Instinkte regeln das Leben der Tiere, als wenn die
Lebensbetätigungen an einem Leitseil gingen. Soweit die In-
stinkte den Lebensvorgang aus innerem Antrieb zweckmäßig
regeln, ist das Tier — das Wildtier vor dem Haustier — dem
Menschen weit überlegen. Natursichtig geht sein Verhalten die
ihm vorgezeichnete Bahn des zweckmäßigen Verhaltens. Der
Mensch hat nicht die sichere Lebensregelung durch Instinkte wie
das Tier, er hat sie wohl im Lauf seiner Stammesgeschichte bis
1950. — A. Hübscher, Philosophen der Gegenwart 1949 mit einschl.
Bibliographie. — Würtenberg, Existenz und Erziehung. — B. Graham,
Urgeschichte der Menschheit. — H. Dörrie, Genesis 1956. — A. Wel-
lek, Die Polarität im Aufbau des Charakters. — Ph. Lersch, Aufbau
der Person 1952. — L. Klages, Grundlagen der Charakterkunde. —
A. Wenzl, Das Leib-Seele-Problem. — C. G. Jung, Die Beziehungen
zwischen dem Ich und dem Unbewußten; Psychologische Typen. —
A. Portmann, Fragmente zu einer Lehre vom Menschen 1944, 53.
— E. Pleßner, Stufen des Organischen und der Mensch 1938. —
E. Kretschmer, F. Künkel, H. Rohradier, P. Schröder, A. Kronfeld,
H. Prinzhorn. — S. Freud, A. Adler.

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