Vogelhuber, Oskar
Menschenbildung oder Bildungstechnik? Oskar Vogelhuber — München, 1958

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Sittlichkeit, Religion, nämlich von allem Hauptsächlichen, was
da ist und geschieht, daß in der Wohnung der Welt nichts der-
art Unbekanntes vorkommt, über das ein bescheidenes Urteil
gegeben werden kann.“ Also sollte der Plan in Stufen von einer
elementaren Einführung bis zum wissenschaftlichen Unterricht
durchgeführt werden.
Die Welt ist Quellgrund der Bildung, insoferne aus ihr bil-
dende Einflüsse ausfindig gemacht werden können, die den
Menschen zur Ausbildung seiner Veranlagung unentbehrlich
sind. Aus unserer Zeitlage drängt sich die Vermutung auf, daß
es die vereinigten Naturwissenschaften sind, die nunmehr zur
Führung der allgemeinen Bildung berufen sind.
Doch ist unsere Welt als Bildungsquelle eine Welt im Um-
bruch zwischen einst, jetzt und künftig, und was da wird, er-
mächtigt uns eher Fragen zu stellen als Tatsachen auszusagen.
In diesem Sinne wollen die folgenden Darlegungen, besonders
die Hinweise auf die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, be-
urteilt werden. Die Dinge sind im Flusse.
Bildender Einfluß der Natur
Die Natur ist wirksam aus dem Menschen durch das Streben
seiner Erbmasse zu wachsen und zu reifen. Sie enthält nach
C. G. Jungs Hypothese unbewußt eingelagerte Urerlebnisse der
Gattung Mensch. Auch die Bibel läßt den Menschen nicht als
Geist die Erde betreten, sondern aus der gleichen Erde gestaltet
werden, aus der auch Tier und Pflanze erwuchsen.
Wenn der Mensch aus seiner Erbmasse wird und sich ent-
wickelt, so aus der Natur als Inbegriff aller Dinge und Gescheh-
nisse in ihrer Ganzheit, und er lebt aus Gemeinsamem mit Tier
und Pflanze. Das offenbaren seine vitalen, animalischen, vege-
tativen Äußerungen und Bedürfnisse; die Äußerungen wollen
verstanden, die Bedürfnisse befriedigt sein. Die Natur bildet
den Menschen aus ihm selbst heraus, aus seinen fürs Leben gün-
stigen oder ungünstigen Anlagen durch den ihm eingeborenen
Lebens- und Werdedrang. Dadurch wird er Mensch, der von
Natur aus lebenstüchtig oder untüchtig, gut oder schlecht wer-

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