Vogelhuber, Oskar
Menschenbildung oder Bildungstechnik? Oskar Vogelhuber — München, 1958

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des und Jugendlichen von heute in der Familie. Sonst schweben
Erziehungsgedanken in der Luft. Es ist eher möglich, für eine
systematische Bildungslehre Untersuchungsergebnisse zusam-
menzustellen als allgemeiner Gültiges über die Erziehungskraft
der Familie darzulegen.
Das Familienrecht umschließt das Elternrecht auf die Er-
ziehung der Kinder.
STREIFLICHTER AUF DAS ELTERNRECHT
Verfassungen
Nach dem seit 1900 geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch ist das
Elternrecht die Rechtsanerkennung für die im Volksbewußtsein Vor-
gefundene und anerkannte Machtstellung der Eltern, die als Pflicht
die Fürsorgepflicht enthält. Das Recht ist nicht geschaffen und auf-
erlegt, sondern begründet durch das Elternverhältnis. Die elterliche
Gewalt umfaßt das Recht und die Pflicht, das Kind zu erziehen. Die
Erziehung umfaßt die Pflicht und das Recht, für die körperliche,
geistige und sittliche Ausbildung des Kindes zu sorgen und das Kind
zu leiten. Uber die religiöse Erziehung sagt das bürgerliche Gesetz-
buch nichts. Ein späteres Reichsgesetz überließ die religiöse Erziehung
der Kinder der freien Einigung der Eltern.
Der totale Staat zwischen 1933 und 1945 kannte kein Eltern-
recht.
Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland be-
stimmt in Artikel 6 Abs. 2: Pflege und Erziehung der Kinder
sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen
obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche
Gemeinschaft. Absatz 3 trifft eine Bestimmung für den Fall
des Versagens der Fürsorgepflicht der Eltern.
Zwei bayerische Verfassungen lassen ersehen, daß der gleiche
Staat das Elternrecht verschieden behandeln kann.
Die Verfassung von 1919 enthält keine Bestimmung über
das Elternrecht. Die Erziehungsberechtigten sind verpflichtet,
die Kinder zur Erfüllung der Schulpflicht anzuhalten.
Die Verfassung von 1946 bestimmt durch Artikel 126: „Die
Eltern haben das natürliche Recht und die oberste Pflicht, ihre
Kinder zur leiblichen, geistigen und seelischen Tüchtigkeit zu

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