Vogelhuber, Oskar
Menschenbildung oder Bildungstechnik? Oskar Vogelhuber — München, 1958

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Wege zum bestmöglichen Menschen unseres und des werdenden
Zeitalters.
Menschenbildung mit Erziehung und Unterricht ist Kunst des
Möglichen und derart Bildungspolitik. Sie ist Kunst des Mög-
lichen zwischen den Parteien im Inneren des Menschen, biblisdi
gesprochen zwischen Abel und Kain, und zwischen der Partei
Mensch und der Partei Um- und Mitwelt. Nach beiden Seiten
sind dem Menschenbildner gründliche und realistische Einsich-
ten nötig. Lebenserfahrung ist ebenso bedeutsam wie wissen-
schaftliche Durchdringung der Gesamtfrage.
Die Zeit ist außerordentlich. Es wäre Zeit zu bahnbrechen-
den Darlegungen der Menschenbildung und ihrer Voraussetzun-
gen, wie sie in ebenfalls außerordentlichen Zeiten etwa im Über-
gang des Mittelalters in die Neuzeit, unter den Auswirkungen
des Dreißigjährigen Krieges und des Kopernikanisch-Newton-
schen Weltbildes, aus den sozialen, politischen und geistigen
Spannungen im 18. Jahrhundert geschaffen wurden. Zunächst
begegnet der Gedanke der Frage, ob die wirtschaftlichen Inter-
essen Raum dafür lassen.
Lit. Hervorzuheben ist Ph. Lersch, Aufbau der Person.
Bildung gipfelt in 'Weltanschauung
Wenn der vollentwickelte, geistig wache Mensch zur Welt-
schau befähigt ist, dann hat er Bedürfnis nach dem Tatsachen-
bild der Welt. Darüber hinaus muß er sich gedrängt fühlen, den
Sinn zu erfassen, der dem Weltbild Grund und Zweck, Bedeu-
tung und Wert verleiht. Das bedeutet: Weltanschauung ge-
winnen. „Die größte Angelegenheit des Menschen ist zu wissen,
wie er seine Stellung in der Schöpfung gehörig und recht ver-
stehe, was man sein muß, um ein Mensch zu sein.“ (Kant.) „Was
uns immer wieder zur Beschäftigung mit den Fragen der Welt-
erkenntnis antreibt, ist ein Teil unseres inneren Wesens, ein in
uns liegender Zweck, den wir erfüllen müssen.“ (Eddington.)
Und ein anderer Denker: „Niemals wird die Frage nach der
Stellung des Menschen im Universum aufhören und daraus ent-
steht eine völlig neue naturwissenschaftliche und philosophische
Betrachtungsweise.“ (O. Tead.)

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