Küppers, Waltraut
Mädchentagebücher der Nachkriegszeit: dein kritischer Beitrag zum sogenannten Wandel der Jugend: ein kritischer Beitrag zum sogenannten Wandel der Jugend — Stuttgart, 1964

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I

SAMMLUNG UND AUFSCHLÜSSELUNG
DES TAGEBUCHMATERIALS

Im Verlauf von etwa zehn Jahren habe ich siebzehn Mädchentage-
bücher der Geburtsjahrgänge 1928—1944 gesammelt. Zum Teil ge-
langten sie zufällig durch Gespräche im Bekanntenkreis in meine
Hände, zum anderen sind sie von Studenten eines Seminars über
jugendpsychologische Fragen erbeten worden. Besonders die Tage-
bücher der jüngeren Schreiberinnen wurden mir von Studentinnen
selbst oder über sie von ihren Freundinnen und Geschwistern anver-
traut. Zwei dieser siebzehn Schreiberinnen habe ich nicht persönlich
kennenlernen können, diese Tagebücher sind jedoch im einzelnen nicht
verwendet worden. Mit allen anderen Schreiberinnen, im besonderen
mit denen, deren Tagebücher hier abgedruckt sind, habe ich über ihre
Eintragungen gesprochen, unklare Stellen oder solche, deren Inter-
pretation nicht eindeutig war, sind mir von ihnen selbst erklärt wor-
den. Es war dadurch auch möglich, ein unmittelbares Bild der Schrei-
berinnen zu gewinnen, freilich ein Bild ihres jetzigen Lebensstatus
und nicht desjenigen zur Zeit des Schreibens. Zum Teil konnte aber
diese zurückliegende Zeit durch Schilderung von Verwandten oder
Freunden ergänzt werden. Einige dieser Jugendentwicklungen habe
ich über Jahre hinweg verfolgt, ehe ich von der Existenz eines Tage-
buches wußte. Die meisten Tagebücher sind als geheime Tagebücher
geführt, die zum Teil streng unter Verschluß gehalten und als etwas
ganz Intimes empfunden wurden. Nur eine, Gertraud Otto, hat schon
zur Zeit des Schreibens ab und zu daraus vorgelesen; alle anderen
meinen heute, daß sie es niemals für möglich gehalten hätten, das
Tagebuch einmal einem fremden Menschen zu zeigen oder gar zu
übergeben. Auch jetzt bedeutete diese Herausgabe den meisten eine
große innere Überwindung.
Es sind also siebzehn Tagebücher aus sechzehn Jahren, das heißt etwa
aus einer Generation. Es sind vorwiegend Tagebücher, die zwischen
16 und 20 Jahren geschrieben wurden. Einige dieser Niederschriften

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