Küppers, Waltraut
Mädchentagebücher der Nachkriegszeit: dein kritischer Beitrag zum sogenannten Wandel der Jugend: ein kritischer Beitrag zum sogenannten Wandel der Jugend — Stuttgart, 1964

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II

DIE TAGEBÜCHER

1. Gabriele Reich

Die Schreiberin ist im Frühjahr 1930 in einer sächsischen Großstadt
geboren. Sie ist einziges Kind, evangelisch und wächst in recht guten
materiellen Verhältnissen auf. Der Vater ist leitender Beamter im
gehobenen Dienst. Es beeinflußt die Entwicklungssituation der Schrei-
berin, daß sie sich durch häufige Versetzung des Vaters und dem da-
mit verbundenen Wohnungswechsel immer wieder neu in andere
Schul- und Lebenssituationen einfinden mußte.
Es liegen von der Schreiberin drei Tagebücher vor. Das erste ist eine
Kladde mit Goldschnitt. Die Schreiberin selbst sagt, daß das Ge-
schenk dieses Buches, das beim Aufräumen in einer Schulbibliothek
1946 gefunden wurde, der Anlaß zum Schreiben war. Dieses Buch ist
mit einem Stoffeinband, auf den die Initialen der Schreiberin ge-
stickt sind, versehen. Die beiden anderen Tagebücher sind Kladden
mit buntem Einband. Die Tagebücher enthalten auf den ersten Seiten
Sprüche, je ein Bild der Schreiberin und gepreßte Blumen. Die Schrift
verläuft durchweg in Schräglage, nach rechts geneigt. Es ist eng, fast
gepreßt geschrieben, was sich, wie die Schreiberin heute sagt, aus der
Papierknappheit ergab. Von 1948 an ist die Schrift größer und wei-
ter. — Die Kladden sind sauber geführt, ohne Streichungen, Kleckse
und Fehler. Nur an den eingefügten Gedichten ist geändert, man
sieht die Bearbeitung.
Aus der gleichen Zeit, in der das Tagebuch geführt wurde, liegen
außerdem noch zwei Hefte mit Gedichten vor. Weiteres Material, er-
dachte Tiergeschichten und Märchen aus dem> 12. und 13. Lebensjahr
sind verlorengegangen. Die Tagebücher von 1946—1948 sind recht
kontinuierlich geschrieben, auch 1949 finden sich noch Eintragungen,
dann sind Abstände von mehreren Jahren vorhanden. Diese späteren
Notizen enthalten meist einen Rückblick auf die dazwischenliegende

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