Küppers, Waltraut
Mädchentagebücher der Nachkriegszeit: dein kritischer Beitrag zum sogenannten Wandel der Jugend: ein kritischer Beitrag zum sogenannten Wandel der Jugend — Stuttgart, 1964

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Zeit, ihr Inhalt ist nüchtern. Es werden nur äußere Ereignisse wieder-
gegeben.
Die Schreiberin ist mittelgroß, grazil und wirkt gepflegt. Sie hat nach
dem Abitur ihr Studium mit Germanistik und Geschichte begonnen,
ist dann aber Volksschullehrerin geworden und hat erst später ihre
Studien durch die Promotion abgeschlossen. Sie ist heute Mitarbeiterin
an einem wissenschaftlichen Institut.
Das Tagebuch ist etwa um ein Drittel seines Umfangs gekürzt.

Das ist mein Einsegnungsspruch:
Sei getreu bis in den Tod, so will idi dir die Krone des Lebens
geben!
Und danach sollte ich midh eigentlich richten:
Von der Achsel dir schiebe, was übel dir scheint; und richte dich selbst
nach dir selber!
19.1.1946: Ich glaube nicht, daß alles, was dieses Buch enthalten
wird, „Poesie“ sein wird. Es soll das auch nicht, es soll ungereimtes
Leben sein, manchmal sehr prosaisches, aber hin und wieder mit einem
Körnlein, oder besser Fünklein Morgensonne dazwischen. Ich weiß
nicht, ob ich immer die Energie habe, was mich innerlich bewegt, hier
festzuhalten, und ob ich über die ersten Seiten hinauskomme. Hoffen
wir es; denn dies soll eine Erinnerung werden, die anfängt mit dem
Erleben der Flucht, die mir die schönste Zeit meines bisherigen
Lebens schenkt: Die Schulzeit in L. Ich habe wohl nicht zuviel ge-
sagt; denn nach den Tagen im Januar 1945 empfand ich den
Übermut und die Sorglosigkeit des kleinen Schulkreises doppelt, nicht
immer angenehm. Aber jetzt, wo auch der Albernste in der Zeit bis
zum 1.11.45 ein ernstes Erlebnis hatte, hat sich der Charakter der
Klasse grundlegend gewandelt. Viele lernte ich ja erst im November
kennen. Jetzt erst kann ich sagen, daß mir die Schule all das ersetzt,
was man von der „ Jugendzeit“ im Frieden erwartet. Es war für mich
anfangs schwer, denn die Art, mit der wir in E. über die Jungen
sprachen und urteilten, hemmte mich. Jeder Blick, jedes Wort war ein
Ereignis! Du liebe Zeit, wenn ich mich jetzt danach richten wollte,
käme ich aus dem „Rotwerden“ kaum heraus. Ich habe mir dafür
vorgenommen, die Augen aufzumachen, zu beobachten und vor allem
Menschenkenntnis zu erlangen.


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