Küppers, Waltraut
Mädchentagebücher der Nachkriegszeit: dein kritischer Beitrag zum sogenannten Wandel der Jugend: ein kritischer Beitrag zum sogenannten Wandel der Jugend — Stuttgart, 1964

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VI

KONSTANZ UND WANDEL IM JUGENDLICHEN
SEELENLEBEN

Es hat sich gezeigt, daß das Bedürfnis, Tagebuch zu schreiben, auch
heute noch vorhanden ist, und daß die Begründungen, die die Jugend-
lichen dafür geben, den früher vorgebrachten ähnlich sind. Mit Ab-
sicht wurden Beispiele aus verschiedenen Generationen verwendet.
Denn wir fragen ja, ob die gegenwärtige Jugend in allem einer frü-
heren gleicht oder inwiefern und worin sie sich davon abhebt. Ein
solcher Vergleich bringt vom Blickpunkt des Biologen und des Sozio-
logen in mancher Hinsicht einen starken Wandel. Das ist einmal
begründet in den nachweisbaren körperlichen Veränderungen der heu-
tigen Jugend, die sich im Phänomen der Akzeleration, also einer Ver-
frühung der geschlechtlichen Reifung und einer Wachstumsbeschleuni-
gung anzeigen, und zum anderen gleicht selbstverständlich keine
Epoche in allem der vorhergehenden.
Der von den Soziologen betonte Wandel bezieht sich vorwiegend auf
die äußere Verhaltensform der Jugend. Man glaubt berechtigt zu
sein, von hier aus auf einen inneren Wandel zu schließen. Dieses
Anderssein wird allenthalben betont und herausgestellt. Es wäre auch
verwunderlich, wenn sich nach den Ereignissen und Strukturwandlun-
gen der letzten Jahrzehnte nicht Veränderungen in irgendeiner Form
zeigten. Es ist nur die Frage, wieweit und worin die seelische Situation
einer Jugend mit der Epoche korrespondiert. Wenn W. Roeßler fest-
stellt: „Das Lebensfeld der heutigen Jugend deckt sich zwar in gro-
ben Umrissen mit dem der Erwachsenen, aber das Erlebnisfeld bleibt
wesentlich anders strukturiert“ 32, so ist das vorsichtig, aber wohl dem
Sachverhalt entsprechend, ausgedrückt. Natürlich wächst kein Jugend-
licher im luftleeren Raum heran, er steht immer in einer bestimmten
geschichtlichen Situation, die in soziologischer Hinsicht und in Hin-
sicht auf ihre Normen und Werte in bestimmter Weise geprägt ist und
auch prägend wirken muß.
Auf der anderen Seite hat sich bei der Besprechung der hier vorgeleg-
ten Tagebücher gezeigt, daß gewisse Grundtatsachen des Psychischen
immer wieder hervortreten. Hinter dem Wandel der Verhaltensform

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