Velde, Theodor Hendrick van de
Die Abneigung in der Ehe / von Th. H. van de Velde — Leipzig [u.a.], 1928

Page: 9
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diese, nunmehr in dem Bewußtsein verarbeitet, in rationeller Weise (das
ist durch vernünftiges, planmäßiges Vorgehen, was weitaus besser ist als
die Verdrängung ins Nichtbewußte, die oft zu krankhaften Störungen
Anlaß gibt) zu bekämpfen.
So war also auch er, war auch diese Ehe nicht verschont geblieben von
dem Streit zwischen Anziehung und Abstoßung, der bei den meisten Paaren,
gewöhnlich im zweiten Jahrfünft, zu einer Krisis führt. Daß sie ernst
war, diese Krisis, das erhellte aus der Depression des „Patienten" und aus
der Heftigkeit seiner dichterischen Reaktion. Aber die Tatsache, daß, dank
seiner künstlerischen Intuition, ein Selbstbekenntnis und eine Katharsis zu-
stande gekommen waren, hatte eine günstige Bedeutung, und die vielen Merk-
male, die für das Bestehen einer noch sehr starken Bindung sprachen, trugen
das Ihre dazu bei, um mich, geeignete Maßregeln vorausgesetzt, einen glück-
lichen Ablauf erwarten zu lassen.
Freilich nur, wenn bei seiner Frau die Erscheinungen sich nicht als be-
denklicher heraussteilen sollten.
Ich ging zu ihr. Sie schien mir — wie so manche Frau —, was das Ver-
halten in der Ehe anbelangt, weiser als ihr Mann.
Doch fehlte es auch ihr an Einsicht und an Selbsterziehung.
Ich hatte das Vorrecht, ihnen beiden diese Einsicht vermitteln zu können
und ihre Selbsterziehung zu leiten. So wurde die Krisis überwunden.
„Und sie lebten von nun an vergnügt bis an ihr Ende."
Zur Erinnerung an meine Hilfe bekam ich von meinem Freunde die Er-
laubnis, nach meinem Belieben über sein Manuskript zu verfügen.
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