Velde, Theodor Hendrick van de
Die Abneigung in der Ehe / von Th. H. van de Velde — Leipzig [u.a.], 1928

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Kapitel IV
Der Gegensatz von Männlich und Weiblich
ZWEITER TEIL
Weibliche Eigenschaften
Emotionalität
Was wir als die Haupteigenschalt des Weibes zu bezeichnen haben?
Darüber hat man viele Jahrhunderte lang keinen Zweifel in sich aufkommen
lassen.
Jetzt aber, wo Millionen Frauen durch die Umstände gezwungen sind, ihre
natürlichen Gefühle zu sublimieren oder zu verdrängen,
jetzt, wo überdies die Entartung des Gefühlslebens, die bei einer verhält-
nismäßig kleinen Zahl „tonangebender“ Frauen festzustellen ist, sehr viele
ihrer Geschlechtsgenossinnen so zu beeinflussen begonnen hat, daß diese aus
Hang zur Nachahmung wie aus Vergnügungs- und Genußsucht ihre Weibes-
gefühle unterdrücken;
jetzt, wo sogar — zwar nicht viele und im allgemeinen Sinn genommen
nur oberflächlich denkende, aber denn doch in gewissen Kreisen einflußreiche
nnd gerne nachgeahmte — Männer von dieser Geistesverfassung insofern
angesteckt zu sein scheinen, als sie sich mit Vorliebe durch degenerierte oder
^cheinbar degenerierte Frauen fesseln lassen;
Jetzt ist es nicht mehr möglich, das Natürliche (also die Mütterlich-
ke 11, die ich mit jener Haupteigenschaft gemeint habe) als selbstverständ-
lich zu betrachten.
Wie wir es für den Mann getan haben, so werden wir also auch für die
Phau in logischer Beweisführung aufzuzeigen suchen, welche seelische Eigen-
schaften sie auf Grund ihrer naturgeschichtlichen, biologischen und physio-
logischen Besonderheiten kennzeichnen.
* *
Auch hier wollen wir wieder mit dem geschlechtlichen Urelement be-
ginnen und es diesmal sogar in doppelter Beziehung zum Ausgangspunkt
unserer Betrachtungen machen. Wir werden nämlich zuerst die Eizelle als
weibliches Elementarindividuum ins Auge fassen womit wir im Anfang
es vorigen Kapitels schon begonnen haben —; wir werden uns ihre auf-
a endsten Merkmale vorstellen und von diesen ausgehend die analogen
igenschaften der vollentwickelten Frau darlegen. Und danach (teilweise
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