Velde, Theodor Hendrick van de
Die Abneigung in der Ehe / von Th. H. van de Velde — Leipzig [u.a.], 1928

Page: 67
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Kapitel VI
Der Gegensatz von Männlich und Weiblich
ZWEITER TEIL
Wcibliche Eigenschaften (Fortsetzung)
Mütterlichkeit
„Propter solum ovulum usw."
Das haben wir nun oft genug wiederholt. Trotzdem muß es auch hier
bei der Besprechung der wichtigsten weiblichen Eigenschaft zuerst erwähnt
werden: Nur durch die Tatsachen, daß die Frau die Eizellen produziert, sie
während ihrer Weiterentwicklung nach der Befruchtung beherbergt und auch
später die aus diesen Zellen entstandenen neuen Wesen versorgt, ist sie (die
Frau) das, was sie ist.
Ihr ganzer körperlicher Organismus ist auf diese Hauptfunktion eingestellt:
alle vier Wochen bereitet sie sich durch Umwandlungsprozesse in den Ge-
schlechtsorganen und durch allgemeine, den Stoffwechsel und andere Funk-
tionen betreffende Veränderungen darauf vor, dem befruchteten Ei die besten
Möglichkeiten für seine weitere Entwicklung zu verschaffen. Jedesmal
Wieder, nachdem das Ei durch Ausbleiben der Befruchtung abgestorben ist,
^rstört der Organismus alles das, was er eben vorbereitet hat, um unmittelbar
danach eine neue solche Vorbereitung zu beginnen. Und ist es wirklich zur
Befruchtung gekommen, dann verändert er sich so weitgehend, daß man
ruhig sagen kann: Er existiert während der ganzen Schwangerschaft lediglich
Um der Leibesfrucht willen.
Es ist also nicht zuviel gesagt, wenn wir das alles in den Satz zusammen-
assen: Die Natur hat den Körper der Frau lediglich der Erhaltung der Art,
dem Kindergebären dienstbar gemacht.
_ Kann es uns da verwundern, daß ihr psychisches Wesen ebenso ganz von
dieser Aufgabe erfüllt ist, — daß, so wie in ihrem Körper alles hauptsächlich
die Mutterschaft eingestellt ist, auch die psychische Qualität, die bei
er Frau alles andere dominiert, die Mütterlichkeit ist? Nein doch, —
Um s° weniger, weil die Sorge für das Kind die Mutter auch dann noch
'ällig beschäftigt, nachdem die körperlichen Veränderungen, die aus dessen
atstehen und Geburt erfolgt waren, schon lange wieder verschwunden sind,
^ sie noch erfüllt, wenn (bei einem naturgemäßen und ungestörten Ablauf
1 jes Lebens) der Vorgang der Erzeugung eines weiteren Kindes schon
Wieder in vollem Gang oder sogar bereits wiederum beendet ist.

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