Velde, Theodor Hendrick van de
Die Abneigung in der Ehe / von Th. H. van de Velde — Leipzig [u.a.], 1928

Page: 149
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Kapitel XI
Über die Gattenwahl
ZWEITER TEIL
Die äußeren Umstände
Wir werden jetzt sehen, welche Punkte für die verstandesmäßige Über-
legung in Betracht kommen, wenn die Vernunft die intuitiven Anweisungen
der erwachenden Liebesgefiihle für eine bestimmte Person in der Hinsicht
zu untersuchen beginnt, ob es wünschenswert sei, daß diese Gefühle sich zu
einer Liebes wähl und in weiterer Folge zu einer Ehewahl entwickeln.
Diese Punkte der Überlegung können wir am besten einteilen in solche,
welche die äußeren Umstände, in die, welche die Gesundheit, und
die, welche die Anlagen und den Charakter betreffen.
Bei den äußeren Umständen werden wir uns nicht all zulange auf-
halten dürfen.
Sie können gewiß von großem Einfluß auf das Glück der Ehe sein. Auch
bieten sie Stoff genug für eine lange, wichtige und fesselnde Besprechung,
was Löwenfeld in seinem Werk „Uber das eheliche Glück“ (4. Auflage,
1919, Bergmann), dessen Lektüre ich schon in meinem ersten Buch angeraten
habe, bewiesen hat.
Es ist mir aber unmöglich, alles, was mit unserem Thema in Verbindung
steht, gleich eingehend zu behandeln, weil ich dazu ein Vielfaches des mir
zur Verfügung stehenden Raumes brauchen würde. Außerdem können meine
Leser, soweit sie es nötig haben, gerade über diese Dinge in zahlreichen
Büchern von sehr verschiedenem geistigem Gehalt genug kluge Gedanken
finden. Die meisten dieser Gedanken können sie sich wohl auch selbst denken.
Denn dazu braucht es keine psychologisch geschulte Denkfähigkeit, nur eben
gesunden Verstand. Mit dessen Hilfe kann ein jeder ohne Anstrengung
prüfen, welche Umstände die Aussichten für das Glück einer geplanten Ehe
im günstigen Sinn beeinflussen werden und welche darauf in ungünstigem Sinn
einwirken.
Doch der gesunde Verstand wird bei der Ehewahl nur allzuoft ausge-
schaltet, und das nicht nur dann, wenn man „la douce rage“ schon zu weit hat
gehen lassen, nein, manchmal auch in den Fällen, in denen von einem Liebes-
affekt keine Rede ist, so daß der Verstand sich tatsächlich noch geltend
machen könnte.

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