Velde, Theodor Hendrick van de
Die Abneigung in der Ehe / von Th. H. van de Velde — Leipzig [u.a.], 1928

Page: 171
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Kapitel XII ' ,
Über die Gattenwahl
DRITTER TEIL
Die Gesundheit
Es sollte mich nicht wundern, wenn man von einem Arzt, der über Ehe-
wahl schreibt, erwarten würde, daß er lange Zeit bei der Bedeutung stehen
bleibt, welche die Gesundheit der Gatten für die Ehe und ihre Folgen besitzt.
Und doch werde ich das nicht tun. Im Gegenteil, ich will diesem Thema nur
ein kurzes Kapitel widmen, auch wenn ich sicherlich nicht weniger als andere
Ärzte meine, daß jeder künftige Gatte von dem Wert einer tadellosen Ge-
sundheit seines Partners und von seiner eigenen Verpflichtung, eine solche
Gesundheit mit in die Ehe bringen, voll überzeugt sein soll. Man hat aber
in den letzten Jahren (mit Recht!) schon so viel auf diesem Amboß ge-
hämmert, daß ich glaube, meinen Lesern und mir selbst das Hören und Aus-
üben dieses verhältnismäßig ermüdenden Klopfens ersparen zu dürfen. Über-
dies betrachten wir hier die Ehewahl ausschließlich mit der Absicht, das
Entstehen der ehelichen Abneigung nach Möglichkeit zu verhüten. Und ist
es auch nicht zweifelhaft, daß z. B. die Lungentuberkulose auf sehr verschie-
dene Weise das Glück einer Ehe ernstlich schädigen kann, so würde es doch
etwas zu weitliegend sein, Tuberkulose als zur ehelichen Abneigung prädispo-
nierendes Moment zu betrachten. Es sei denn, daß es sich herausstellt, wie
eine schon bestehende Erkrankung dieser Art oder eine deutlich vorhandene
Anlage dazu absichtlich verschwiegen wurde.
Das kann sich rächen, so wie jede Vorspiegelung über das, was der künf-
tige Gatte in der Ehe erwarten darf oder muß, ihre Gefahren — große
Gefahren sogar! — für die eheliche Harmonie mit sich bringt.
Schließlich habe ich noch einen Grund, warum ich die Bedeutung der Ge-
sundheit für die Ehewahl nicht ausführlich besprechen will, und das ist der
wichtigste: Die mit diesem Thema zusammenhängenden Tatsachen sind so
zahlreich und die hervorstechenden Uberlegungspunkte geben so viel zu
denken, daß sie die Aufmerksamkeit meiner Leser mehr als ich es für wün-
schenswert halte von den Dingen ablenken würden, die ich in diesem Buch
als Hauptsache betrachte.
Ich beschränke mich also darauf, sie (d. h. meine Leser) an die große
Bedeutung jener Tatsachen und Überlegungen — die sie in sehr vielen langen
und kurzen, gelehrten und populären Abhandlungen finden können — zu
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