Velde, Theodor Hendrick van de
Die Abneigung in der Ehe / von Th. H. van de Velde — Leipzig [u.a.], 1928

Page: 233
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Kapitel XIV
Einsicht und Anpassung
Wenn ich die Absicht hätte, zu versuchen, in diesem Buch auf alles ein-
zugehen, was trotz des Fehlens der wissenschaftlichen Daten auch von einem
Nicht-Spezialisten auf philosophischem und psychologischem Gebiete an
Lehrreichem über „Ehe und Charakter“ gesagt werden könnte, so würde ich
diesem Gegenstand noch manches lange Kapitel zu widmen haben. Und wäre
„die vernunftmäßige Gattenwahl“ das Hauptthema meiner Ausführungen, so
müßte ich nicht nur das schon Geschriebene an vielen Stellen beträchtlich
erweitern und z. B. manche Eigenschaften — besonders auch krankhafter
Art — und Umstände hervorheben und schildern, welche die Heirat ver-
bieten, sondern außerdem noch eine mehr oder weniger ausführliche Ab-
handlung über Eugenese1) einschalten.
Täte ich das eine oder das andere — und weshalb dann nicht das eine
sowohl wie das andere? — und ließe ich mich durch meine Teilnahme an
allen diesen Fragen dazu verführen, auch noch weiteren die Ehe betreffenden
Angelegenheiten auf den Grund zu gehen, dann müßte dieser zweite Teil
meiner Trilogie den Umfang mehrerer Bände erhalten. — Und jene, an die
ich mich hauptsächlich wende, würden ihn nicht lesen.
Ich befürchte sogar, daß mancher schnelle (und flüchtige!) Leser, der
dieses Buch zur Hand genommen hat, um in ihm Rat bei der Bekämpfung
einer ehelichen Abneigung zu finden, einige der vorhergehenden Kapitel
übersprungen haben wird, in der Meinung, daß darin für ihn — dessen
Wahl schon früher unwiderruflich geworden war — nicht genug Wichtiges
enthalten sein könnte.
Wer so dachte, den muß ich doch bitten, das Versäumte nachzuholen und
die betreffenden Kapitel jetzt noch aufmerksam zu lesen. Denn sie sind —•
wie unwahrscheinlich das auch, oberflächlich betrachtet, klingen mag — für
schon verheiratete Leute noch weit wichtiger als für jene, denen die Wahl
noch freisteht.
Auch eine viel ausführlichere und überzeugendere Darlegung als ich sie
hier ha.be geben können, wird ja doch nie einen Menschen bei der Gattenwahl
dazu bringen können, allen Faktoren, die in Betracht genommen werden
sollten, auch wirklich Rechnung zu tragen. Sogar wenn dieser Mensch die
Klugheit — die Weisheit darf man wohl sagen — besitzt, den Weg, den
*) Eugenese = Wissenschaftliche Heranziehung aller Faktoren, die für die Verbesserung
der menschlichen Rasse von Belang sind.
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