Velde, Theodor Hendrick van de
Die Abneigung in der Ehe / von Th. H. van de Velde — Leipzig [u.a.], 1928

Page: 274
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und schriftlichen Gedankenvvechsei mit Ärzten, Psychologen und Moralisten
— immer klarer, daß ihm eine Abhandlung zu folgen hätte, in der das ehe-
liche Glück und dessen Erhaltung von einer anderen, diesmal psychologischen
Seite zu beleuchten wäre.
Dies ging aus der Notwendigkeit hervor, den oberflächlichen Leser vor
der Gefahr der Überschätzung des einen Faktors und der damit zusammen-
hängenden Möglichkeit der Unter Schätzung anderer, ebenfalls sehr wich-
tiger Faktoren, zu schützen.
Es war weiter nötig, um dem Verfasser den ungerechtfertigten Vor-
wurf der Einseitigkeit, den solche Leser der „Vollkommenen Ehe“ sonst
hätten erheben können, zu ersparen.
Vor allem aber ließ es sich aus der schon in meiner Einleitung in den
Vordergrund gerückten Überlegung folgern, daß man nicht allein durch Ver-
stärkung der anziehenden Kräfte versuchen soll, den ehelichen Bund zu
befestigen, sondern auch durch Bekämpfung der abstoßenden.
Das waren die Gründe, die mich dazu geführt haben, dieses heute abge-
schlossene Buch zu verfassen.
Von der Richtigkeit dieser Gründe haben auch die inzwischen erschiene-
nen Besprechungen des ersten Buches mich wiederum überzeugt. Denn neben
der allgemeinen Anerkennung, die mir fast ungemischte Freude geschenkt
hat, kommt doch hin und wieder die Meinung zum Ausdruck, daß „das Buch
dringend nach seinem angekündigten Zwillingsbruder verlangt, der die
ethische und psychologische Seite darlegen soll“ (Max Nassauer iri
der Münchener Med. Wochenschrift vom 12. November 1926).
Wie ich schon zu bemerken Gelegenheit hatte, haben besonders Nerven-
ärzte den ersten Band mit fast begeisterter Anerkennung begrüßt. Kein Wun-
der, weil gerade sie die unglücklichen Folgen einer durch Unwissenheit
verursachten mangelhaften oder fehlerhaften Technik des ehelichen Gc-
schlechtsumganges wohl am allermeisten zu sehen bekommen. Daß dabei
gerade auch sie die Mitteilung, daß dieser zweite Band erscheinen würde,
bewillkommt haben, kann ebensowenig wundernehmen. — Andererseits läßt
es sich aber auch sehr wohl verstehen, wenn aus spezialistisch-psychothera-
peutischen Kreisen hin und wieder eine Stimme hörbar wird, die gegen das
verwegene Unternehmen eines auf diesem Gebiete nicht spezialistisch ge-
schulten Autors gewisse Bedenken zum Ausdruck bringt.
Ich habe, während ich diesen zweiten Band schrieb, von Anhängern ver-
schiedener psychologischen und psychotherapeutischen Schulen den wohl-
meinenden Rat erhalten, meinen Darlegungen die Begriffe und die Erfah-
rungen einer oder anderer bestimmten Lehre zugrunde zu legen. Wie hervor-
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