Elolombe ya Kamerun illustrierte Monatsschrift in dt. u. Duala-Sprache — Hamburg, No. 2.1908

Seite: 8
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©ê ift befannt, baß ber Suala=9îeger begüg-
tict) Vitbung urtb Kultur h0(h über bem fonft
äufjerft niebrtgert Bibeau feiner Dîaffengenoffen ftef)t.
'S er ©runb hierfür tft toofjl bor aiient baraufhtn
gurücfguführen, bah btefeê Volf feit ^afjrïfunberten
in regen ^attbelêbegtehungen mit eurofmtfchen
^aufleuten unb (Seefahrern fteht. SQÎatt finbet nicht
nur bei ben Suatateuten feft auêgelprâgte furiftifche
unb religiöfe formen, fonbern auch einen reichen
(Schatj an alten ©rgähtungen unb fabeln, bie eine
nicht unbebeutenbe ^nteiitgeng berfenigen bebtngen,
üüeicfje fie erfunben unb mit Verftânbniê toeiter
ergäbt haben. Solche ©rgähtungen finb meiftenteitê
Sierfabetn, in to eitlen haubtfächiiih bie Schitbfröte,
bie, tote in nuferen ^tnbermär^en ber fReixtetie
%\xà)§>, ,,alê Schlauberger" eine grofje 9Iotte fhielt.
28tr bringen in folgenbem einige btefer
fabeln, toetcffe fid) -£>err Sr. $riebt. SSJtartin auf
feinen attärfcheit burch ben Urtoalb ^anterunê unb
auf tageiangen ermübenben ^amtfa^rten bon feinem
if)n begiettenben Sotmetfcher, einem aiten Sttaia-
manne, hat ergäben taffen.
^ic Säten bev Sdiilbtrütc.
©inft faut bie Schitbfröte gutn ©tefanten unb
bet ihm eine SBette an, bah fie bie Stärtere fei.
Ser 9Uefe beê Urtoatbeê Oertachte bie fteilte Vucflige
anfangê. Sltê biefe aber garnictjt nadhgebeit tootttc,
nahm er bie ^erauêforberung au. „©nt," fagte
bie Schitbfröte, „ich tontine morgen in ber grütje
gum ^tu^ufer unb bringe ein tangeê Sau mit.
©in ©nbe befomntft btt, mit bem anbent gehe ich
inê SKaffer unb hatte mich bort am ©ruttbe feft.
SRüttie ich bann am Strict, bann föngft bu 51t gtehett
an. ©etingt eê btr, mich auê bem 2Saffer herauf
gugiehen, l)aft bu bie Sßette getoonnen; gelingt eê
btr aber nicht unb muht bu öor SJtübigfeit aufhören,
bann gehört ber ©tnfab mir." Ser ©iefaitt nahm
ben Vorfdjtag an unb uerfbrad), am attberen Sage
Üünftiich gu fontnten. Vergnügt, in ber Vorauêftd)t
auf ben leichten ©etoitttt, trotite er [ich in ben Urtoalb.
Sa ging bie Schitbfröte ine Sßaffer gum fÇluhbfcrb
unb fdjlug ihm ebenfattê bie SSettc oor, toer ber
Stärtere fei. Stud) hier anfängliche Verhöhnung
unb fd)itehiichc Sinnahme. Sie Schilbfröte fchtug
oor: fie fetbft toerbe am nächften borgen ins SSaffer
fommett unb einen Strict mitbringeu. Saê eine
©nbe behalte baê ^iuRpfcrb, mit bent anberen gehe
fie fetbft bann anê iianb. 23ctttt fie bann am
Stricte rüttle, fottc eö attfangen gu pichen, ©dinge
cê ihm, bie Schilbfröte ittê SBaffer gu pichen, habe
natürlich baê ftluftpferb gctoomtcit, höre eê aber
oorber au* SPZübigfett auf, fei bie Schilbfröte
Sieger. Saê fttufjbferb toar mit ber Sache citt-
oerftattben ttnb ücrfprarf), am anberen borgen
bünftlid) am SBaffcr gu martert. Vint folgettbcit
borgen trafen fict) ©lefatit unb Sd)ilbfrötc ridjtig
am ^lufjufer. ©rftcrcr nahm ben Strict. Sic
Sdjilbfröte aber fagte: ,,3Φ nci)c jebt ittê Söaffcr,
gieb Cbacht, tocitit ich an öent Seile rüttle!" aifit

bem anberen ©nbe beê Strtcfeê tant fie bann unter
bent Staffer gum ^tn^üferb, gab eê ihm unb fagte,
fie tootte je^t toieber anê Vanb gehen, unb bann
tonne auf baê üerabrebete getdbeu ber $αηψΐ be-
ginnen. Sarattf fchtoantnt bie Schilbfröte fort,
unb atê fie bout gtuhbferb nicht mehr gefehen
toerben tonnte, rüttelte fie an bem Strict, beffett
eine ©ttbeê nun baê $tuf3bferb, baê anbere aber
ber ©iefant tnt SJtaute hatte. Veibe gogen attê
Veibeêfrâften, toätjrenb bie Schilbfröte bergnügtich
babetfah· Sa beibe Stere gleich ftarf toaren, brachte
feineê ben unfichtbaren ©egtter bon ber Stelle,
©nbltcf) tourbe baê gtuhbferb ntübe unb gab beu
$αήψΐ auf. Ser ©tefant tat aber im ttächften
Stugenbiicf baê gleiche. Sltê bteê bie Schitbfröte
nterfte, hhtoamnt fie fchneit gum $tuhbferb unb
fagte: „9hm fiehft bu, ich habe getoonnen, ich bin
ftärfer atê bu, beim btt l)aft mich nicht gu btr ittê
Staffer gu gieren bermocht!" Saê $Iuhbferb muhte
bteê gugeben unb erftärte fnurrenb, bah eê bie
SSette bertoren habe. Samt eilte bie Schilbfröte
anê Vanb. Sie hotte ben ©tefanten gerabe noch
ettt, atê btefer fich ärgerlich unb befetjämt itt bie
Vüfcf)e brüden toottte. Sluch er muhte fidf atê
befiegt erftären, ba er ja ben ©egner nicht hatte
anê Ufer giehett tonnen.
So hatte bie finge Schitbfröte bie beiben
ntächtigften Stere überltftet unb befiegt uttb habet
noch 5iljei eiitträgiiche Söetten getoonnen.
(^d)übftötc int (tfcfrtitguteü
Sie Schitbfröte fain etitft gu einem Sitata
uttb bl'teê ihm ihre ^uttft im Sätotoiereit an.
®enu er ihr einen fetjr hohen ^reiê gai)te, tootte
fie alte feine ^inber tätotoieren, bie ja ohne biefett
Sihmucf (nach Stnficht ber Suata) nicht in beit
Rimmel fommett tonnten. Ser attaint toar eê gu-
friebett mtb gahtte fogar auf Verlangen beu attê-
bebungerten Veeiê im norattê. Sann berlattgtc bie
Schilbfröte eine .fcütte, in toetcher fie gang aiieiit
mit beit Ambern fein ntüffe. 9hciitanb bitrfe nämlich
habet feilt, fonft toerbe bie Strbcit feine gute. So
gcfchal) eê beim auct). 9ίαφ gtoei Sagen faut bie
Schilbfröte toteber anê bem .^attfe uttb fagte, eê
fei nun alfeê fertig unb gut. Vlber bie kittber,
bie fo fei)ött tätotoiert feien tote noch nie eilt
anbercr Simla, mühten nun noch brei Sage 9tuf)e
haben, ba fie bon ben auëgeftanbeitett Sihmergen
noch fehr crmübet feien unb bat)er aile feft fehiiefett.
Spr aJtattn folle aber ja nicht früher bie ,£>üttc
öffnen, toemt er feilte kiuber liebe. Sarattf ent-
fentte fici) bie Schilbfröte eilig bem $tuffe gu. Ser
Simla toar aber hoch neugierig. Stud) fict eê ihm
auf, bah fich flar nichtö itt ber .^üttc rührte. Sa
lugte er burch eine Vihe gtoifchen Sür unb Vobett
unb fah_ eine gctoaltigc Viutlachc. 9ttê er nun
hhitell öffnete, fattb er alle feine ft'titber tot. Sie
Schilbfröte hatte ihnen allen bie Mlöpfe abgefchnitteu.
Sa rief ber attaint fchleunigft feine Vente, um bie
attörberiu gu berfolgen. ^tt einem nahen Sorfc
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