Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen: Mittheilungen über Localbahnen insbesondere Schmalspurbahnen — Erster Jahrgang.1882

Page: 2
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-1-1882/0014
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
2

ALLGEMEINE ÜBERSICHT.

Als einziges Moment, welches wirklich fördernd auf die Herstellung von Local-
hahnen gewirkt hat, ist die Ministerialverfügung vom 8. März dieses Jahres zu ver-
zeichnen, durch welche die Benutzung öffentlicher Wege zur Anlage von „Eisenbahnen
von untergeordneter Bedeutung“ geregelt wird.
In Bayern und Württemberg wurde die Localbahnfrage ebenfalls in den
Landtagen erörtert und es wurde auch hier besonders auf die Bedeutung der Schmal-
spurbahnen hingewiesen, wie ja denn auch in beiden Ländern schon die verschiedensten
Projecte schmalspuriger Bahnen bearbeitet sind.
Nach dem bisherigen Gange der Verhandlungen zu schliessen, stehen in beiden
Staaten die Regierungen der Herstellung von Schmalspurbahnen durchaus nicht ab-
lehnend gegenüber und scheinen Schwierigkeiten nur insofern noch zu herrschen, als
man noch nicht schlüssig darüber ist, inwieweit der Staat sich bei derartigen Unter-
nehmungen bethoiligen und wie weit die Gemeinden mit herangezogen werden sollen.
In Sachsen, wo bekanntlich die Herstellung der Localbahnen ganz auf Staats-
kosten geschieht, hat sich die Regierung im Princip für die Herstellung von Schmal-
spurbahnen entschieden, ohne natürlich die normalspurige Localbahn ganz zu verwerfen;
während eine normalspurige Localbahn bereits vor länger wie einem Jahre eröffnet
wurde, ist die erste Schmalspurbahn (von Wilkan nach Kirchberg) kürzlich dem Betriebe
übergeben und befindet sich noch eine Linie im Bau.
Dem kürzlich zusammongetretenen Landtage sind wiederum mehrere Projecte
zu Schmalspurbahnen vorgelegt worden, unter denen besonders die 44,84 km lange
Linie Döbeln-Mügeln-Oschatz deshalb interessant ist, weil die beiden Endpunkte bereits
Stationen grosser Eisenbahnlinien sind. — Wenn sich die Königlich Sächsische
Regierung dennoch für Herstellung einer Schmalspurbahn entschieden hat, so muss
sie doch wohl die Ueherzeugung gewonnen haben, dass eine solche zweckmässiger und
für die Gegend nützlicher ist, wie eine normalspurige Bahn.
In den Motiven zu der Vorlage heisst es denn auch unter Anderem:
„Ihre Herstellung als schmalspurige Secundärbahn wird daher nach demjenigen,
„was oben über die Natur und Aufgabe der schmalspurigen Bahnen im Allgemeinen
„gesagt ist, den zu stellenden Anforderungen vollständig genügen und im vorliegen-
den Palle um so gewisser die zweckentsprechendste sein, als nach den angestellten
„technischen Untersuchungen die Terrainverhältnisse einer Bahn mit normaler Spur-
weite nicht gestatten würden, den vorhandenen Thalsenkungen mit ihren zahlreichen
„Ortschaften zu folgen. Vielmehr müsste eine normalspurige Bahn unter Ausführung
„umfänglicher Kunstbauten an den Höhen nnd über die einspringenden Querthäler,
„oder aber unter Ueberschreitung eines Hochplateaus, entfernt von den meisten
„Ortschaften, hingeführt werden.“
Von den übrigen deutschen Staaten sind es besonders die verschiedenen
Thüringischen Staaten, in denen die Herstellung von Localbahnen, und zwar sowohl
normal- wie schmalspurige, Seitens der Regierungen sehr lebhaft unterstützt wird,
sowie ferner das Grossherzogthum Mecklenburg-Schwerin, in dem man sich
mehr für normalspurige Bahnen entschieden hat.
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list